Ankara/Washington. Top-Ökonomen auf der ganzen Welt sind sich einig: Schuld an dem Sinkflug der türkischen Währung ist die verfehlte Wirtschaftspolitik der Regierung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Das jüngst erreichte, erneute Rekordtief der Lira wurde zwar durch den Streit zwischen den USA und der Türkei wegen des inhaftierten US-Pfarrers ausgelöst. Anleger ziehen sich deswegen aus der Währung zurück. Damit kostet ein US-Dollar aktuell mehr als fünf Lira und ein Euro knapp sechs Lira - die Währungen sind damit am Bosporus so teuer wie noch nie.

In der Türkei ist das Feindbild jedoch klar - und es verschärft sich. Der Verfall der Lira sei das Ergebnis von Manipulationen. Schuld seien Zionisten, Gülenisten, oder eben allgemein der Westen - sie allesamt wollen damit die Türkei am Aufstieg hindern.

Doch der Kurs der türkischen Währung befindet sich bereits seit Jahren im Abwärtstrend. Und konterkariert, zusammen mit den hohen Inflations- und Arbeitslosenraten von zeitweise mehr als 15 Prozent, das von der Regierung wiederholt verlautbarte hohe Wirtschaftswachstum.

Fake-Wirtschaftsboom

Der türkische Wirtschaftsboom ist also gar keiner, denn nach dem gescheiterten Putschversuch 2016 pumpt die AKP-Regierung in Ankara nach wie vor Geld in die Wirtschaft, um die unsichere Situation abzufedern und eine Rezession zu verhindern.

Der Feind USA eint die türkische Opposition hinter Präsident Erdogan. - © ap
Der Feind USA eint die türkische Opposition hinter Präsident Erdogan. - © ap

Die Notenbank erhöht die Zinsen mäßig und die Regierung subventioniert Kredite. All dies sind auch Maßnahmen gewesen, um für beste Stimmung vor den Präsidentschaftswahlen zu sorgen - um Erdogan im Amt zu halten. Die Rechnung ging für Erdogan im Juni dieses Jahres bei den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen auch auf, er wurde wiedergewählt.

Doch die Kreditblase und die hohe Verschuldung der türkischen Unternehmen - die mittlerweile ein Ausmaß von 70 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes erreicht hat - stellen nach wie vor ein Problem dar. Private wie Unternehmen sind mit hohen Verbindlichkeiten vor allem im Ausland konfrontiert. Aber auch die Regierung ist immens von ausländischem Kapital abhängig.

Der Wertverfall der türkischen Lira ist also das logische Ergebnis verfehlter Maßnahmen der Regierung, deren Ende nicht abzusehen ist. Denn um diese Entwicklungen zu stoppen, müsste die Notenbank die Zinsen weiter erhöhen. Dagegen hat sich jedoch vehement Erdogan ausgesprochen, denn das würde das Wirtschaftswachstum und damit seine Reputation bremsen.