• vom 10.08.2018, 09:29 Uhr

International

Update: 10.08.2018, 12:59 Uhr

Türkei

Lira-Verfall setzt Erdogan unter Druck




  • Artikel
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, Reuters

  • Die Lira hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert verloren. Erdogan will beruhigen.



Die türkische Lira rutschte am Freitag auf ein Rekordtief.

Die türkische Lira rutschte am Freitag auf ein Rekordtief.© APAweb, Reuters, Murad Sezer Die türkische Lira rutschte am Freitag auf ein Rekordtief.© APAweb, Reuters, Murad Sezer

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bemüht sich, die Furcht vor einem weiteren Verfall der Landeswährung Lira zu zerstreuen. "Macht Euch keine Sorgen", rief Erdogan am späten Donnerstagabend in Rize am Schwarzen Meer seinen Anhängern zu. Derzeit liefen gegen die Türkei mehrere Kampagnen, sagte er mit Blick auf den Streit mit den USA. "Beachtet sie nicht." Die Lira hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert verloren, am Freitag rutschte sie erneut auf ein Rekordtief. Der Dollar verteuerte sich zur Lira zeitweise um mehr als drei Prozent auf 5,75 Lira.

"Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott", sagte Erdogan. "Wir arbeiten hart. Schaut auf das, was wir vor 16 Jahren waren, und schaut heute auf uns." Erdogans islamisch-konservative Partei AKP hatte bei der Parlamentswahl 2002 einen deutlichen Sieg errungen. Er selbst war von 2003 bis 2014 Ministerpräsident und übernahm dann das Amt des Staatspräsidenten.

Erdogan als "Gegner der Zinsen"

Durch ein Verfassungsreferendum 2017 erhielt Erdogan eine enorme Machtfülle und nimmt zunehmend Einfluss auf die Zentralbank, was internationale Anleger schon seit Monaten beunruhigt. Hinzu kommt der Streit mit den USA über den in der Türkei festgehaltenen US-Pastor Andrew Brunson. Eine türkische Delegation, die um Entspannung bemüht war, kam diese Woche ohne greifbare Ergebnisse aus Washington zurück.

Erdogan hat sich selbst als "Gegner der Zinsen" tituliert und angekündigt, eine größere Kontrolle über die Geldpolitik auszuüben. Er will, dass die Banken billige Kredite vergeben und so das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Anleger befürchten jedoch, dass es zu einer Überhitzung kommen könnte. Der Präsident hat bereits seine Landsleute aufgerufen, ihre Dollar- und Euro-Guthaben in die heimische Währung umzutauschen.

EZB alarmiert

Die EZB-Bankenaufseher schauen sich einen Medienbericht zufolge wegen des drastischen Verfalls der türkischen Währung die Verbindungen europäischer Geldhäuser zu dem Land an. Insgesamt würden die Aufseher die Situation zwar noch nicht als kritisch einstufen, berichtete die "Financial Times" am Freitag unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen.

Die Großbanken BBVA aus Spanien, die italienische Bank-Austria-Mutter UniCredit und die französische BNP Paribas seien aber besonders exponiert. Diese hätten bedeutende Geschäfte in dem Land am Bosporus. Die Aufseher würden die Situation schon seit einigen Monaten verfolgen.





Schlagwörter

Türkei, Währung, Lira, Erdogan

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-10 09:31:13
Letzte Änderung am 2018-08-10 12:59:56


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Selbständig, pleite, obdachlos
  2. "Yanis Varoufakis hat uns 100 Milliarden Euro gekostet"
  3. Der bequeme Kontrollverlust
  4. Pepsi will Sodastream
  5. Betriebsrat hält Einigung bei Sozialplan bis Freitag für möglich
Meistkommentiert
  1. Wirtschaft gegen Abschiebung von Lehrlingen
  2. Selbständig, pleite, obdachlos
  3. Mit Gehstock und Arbeitskittel
  4. "Krise von 2008 könnte sich wiederholen"
  5. Der bequeme Kontrollverlust

Werbung



Quiz


Firmenmonitor







Werbung