• vom 13.08.2018, 17:04 Uhr

International


US-Gerichte

Glyphosat-Urteil verschreckt Bayer-Anleger




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Von Patricia Weiss

  • Für deutschen Konzern droht der milliardenschwere Zukauf von Monsanto zum Milliardengrab zu werden.

Frankfurt. (reuters) Für Bayer droht der teuerste Zukauf in der Firmengeschichte zum Milliardengrab zu werden. Ein Geschworenengericht in Kalifornien verurteilte die US-Tochter Monsanto zu einer Schadensersatzzahlung von 289 Millionen Dollar an einen an Krebs erkrankten Mann, der seine Diagnose auf das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat zurückführt. Und dabei könnte es nicht bleiben: Der US-Saatgutriese, der von Bayer kürzlich für rund 63 Milliarden Dollar übernommen wurde, sieht sich mehr als 5000 ähnlichen Klagen in den USA gegenüber. "Das ist das erste Urteil, auf das alle geschaut haben", sagte der Anwalt einer Frankfurter Großkanzlei am Montag. "Wenn es weitere Urteile gibt, die aufrechterhalten werden, gehe ich davon aus, dass wir in einem einstelligen Milliarden-Bereich landen werden." Zudem drohen Monsanto Umsatzeinbußen, sollten Landwirte Produkte des Konzerns nach dem Urteil meiden.

Anleger nahmen Reißaus: Die Aktien des Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzerns brachen in der Spitze um fast 14 Prozent auf ein Fünf-Jahres-Tief von 80,37 Euro ein und waren größter Verlierer im DAX. Bayer büßte damit mehr als zehn Milliarden Euro an Börsenwert ein, das entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung der Commerzbank. "Das sorgt für massive Unsicherheit", sagte ein Händler.


Das kalifornische Geschworenengericht sah es hingegen als erwiesen an, dass Monsanto es versäumt habe, den an Krebs erkrankten Mann und andere Verbraucher vor den Risiken seiner Unkrautvernichter zu warnen. Der ehemals als Schulwart tätige Dewayne Johnson hatte bis zu 30 Mal im Jahr Glyphosat eingesetzt. Der 46-Jährige warf dem Unternehmen vor, durch das Mittel an Lymphdrüsenkrebs erkrankt zu sein. Es handelte sich um den ersten Prozess in den USA, der sich mit der Frage befasste, ob Glyphosat Krebs verursachen kann.

Monsanto kündigte Berufung gegen das Urteil an. Das Unternehmen bestreitet, dass Glyphosat Krebs verursacht. Wissenschaftliche Studien hätten gezeigt, dass die Chemikalie für den menschlichen Gebrauch unbedenklich sei. Der Anwalt von Johnson sagte dagegen, die Geschworenen hätten zum ersten Mal interne Firmenunterlagen gesehen, die bewiesen, dass Monsanto seit Jahrzehnten wisse, dass Glyphosat Krebs verursachen könne.

Glyphosat zählt weltweit zu den meistverwendeten Herbiziden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Chemikalie 2015 als "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" eingestuft. Die US-Umweltschutzbehörde erklärte dagegen 2017, dass die Chemikalie für Menschen wahrscheinlich nicht krebserregend sei. In der EU war die Zulassung von Glyphosat im vergangenen November für weitere fünf Jahre verlängert worden.




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Dokument erstellt am 2018-08-13 17:14:30


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