• vom 20.08.2018, 14:13 Uhr

International

Update: 21.08.2018, 09:08 Uhr

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"Yanis Varoufakis hat uns 100 Milliarden Euro gekostet"




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Von Konstanze Walther

  • Die "Wiener Zeitung" sprach mit Anna Diamantopoulou, einer der prominentesten Stimmen Griechenlands.

- © Laurent Ziegler

© Laurent Ziegler

"Wiener Zeitung": Sie waren Mitglied der griechischen sozialistischen Regierung bis 2012 und waren davor auch EU-Kommissarin für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten, kennen somit beide Seiten in der griechischen Krise sehr gut. In Alpbach haben Sie unter anderem mit Kurzzeit-Finanzminister Yanis Varoufakis der Syriza-Regierung abgerechnet. Warum?

Anna Diamantopoulou: Weil Varoufakis uns 100 Milliarden Euro gekostet hat. Im Jänner 2015, nach zwei Hilfspaketen, war Griechenland bereits auf dem Weg, sein finanzielles Problem in den Griff zu bekommen. Dann gab es diesen riesigen politischen Umbruch durch die vorgezogenen Parlamentswahlen. Plötzlich war mit Syriza eine linkspopulistische Partei an der Macht. Der von ihr als Finanzminister eingesetzte Varoufakis hat mehr oder weniger alles gestoppt, was bis dahin ausverhandelt und erreicht worden war. Also haben wir ganz von vorne anfangen müssen. Am Ende wurde Varoufakis von Premierminister Alexis Tsipras nach nicht einmal sechs Monaten gefeuert. Aber der Premierminister musste ein weiteres Abkommen mit den internationalen Geldgebern unterschreiben. Die Kosten davon beliefen sich für die Griechen auf rund 100 Milliarden Euro.

Information

Anna Diamantopoulou ist eine ehemalige Politikerin der sozialdemokratischen Partei Pasok. Sie war 1999 bis 2004 EU-Kommissarin für Beschäftigung und von 2009 bis 2012 Ministerin in der Regierung Giorgos Papandreou. Sie ist Präsidentin des "Diktio"-Thinktanks und Gast bei dem Europäischen Forum Alpbach.

Anna Diamantopoulou leitet gemeinsam mit Stefanie Wöhl bei dem Europäischen Forum Alpbach derzeit das Seminar "Ökonomische Schocks".

Varoufakis hat viele seiner Gesprächspartner vor den Kopf gestoßen. Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble hat er der Lüge bezichtigt, den Geldgebern Terrorismus vorgeworfen, Schäuble hingegen hatte sich "fassungslos" über die Forderungen von Varoufakis gezeigt.

Varoufakis hatte einen sehr neuartigen Zugang. Er legte ein grundverschiedenes Verhalten an den Tag, wenn man es nach europäischen Standards misst. Er hat damit gespielt. Und das Land hat mit ihm verloren. Man darf nicht vergessen, dass Varoufakis ein Bewunderer von Ernesto Laclau ist. (Der 2014 verstorbene argentinische Politologe Laclau sprach sich für einen linken Populismus aus und betonte unter anderem die Wichtigkeit von Feindbildern, auf die sich verschiedene Wählergruppen einigen können, Anm.)

Der damalige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat bezüglich der griechischen Schulden immer eine harte Linie eingenommen. Er hat der Regierung in Athen auch ordentlich eingeschenkt und die Paktfähigkeit der Griechen offen angezweifelt.

Ich respektiere Schäuble, weil er sehr geradlinig ist, sehr klar. Er hat seine Meinung nicht geändert, und man hat immer gewusst, wofür er steht. Das bedeutet nicht, dass ich immer derselben Meinung war oder es gut finde, wie er den Süden oder andere Länder behandelt hat. Aber er war immer derjenige, der die Währungsunion retten wollte. Er hatte dabei das deutsche Wohlergehen an allererster Stelle. Aber das ist normal, er war schließlich ein in Deutschland gewählter Politiker.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-20 14:23:43
Letzte Änderung am 2018-08-21 09:08:38


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