Washington. (reu) US-Präsident Donald Trump hat den Kurs der Notenbank Fed ungewöhnlich offen attackiert. Er kritisiert vor allem die straffere Geldpolitik des von ihm selbst nominierten Fed-Präsidenten Jerome Powell. "Ich bin nicht davon begeistert, dass er die Zinsen erhöht. Nein, ich bin nicht begeistert", sagte Trump in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Mehr Rückendeckung von den Währungshütern erhofft er sich insbesondere bei harten Verhandlungen im Zollstreit. "Wir werden gewinnen. Aber in dieser Zeit sollte mir die Fed etwas helfen." Er warf China und Europa vor, ihre Währungen zu manipulieren. Auch im Streit mit dem Nato-Partner Türkei zeigte sich Trump hart: "Es wird keine Zugeständnisse geben."

US-Präsidenten haben in der Vergangenheit die unabhängig agierende Federal Reserve so gut wie nie öffentlich kritisiert. Mit diesem Tabu brach Trump nun erneut und sorgte am Dienstag für heftige Reaktionen an den Finanzmärkten. Mit den Aussagen versetzte er dem Dollar einen Dämpfer. Die US-Währung schwächte sich zu anderen Devisen deutlich ab und notierte so schwach wie zuletzt vor knapp zwei Wochen. Der Euro stieg um bis zu 0,6 Prozent auf 1,1543 Dollar.

Im Wahlkampf hatte Trump noch der früheren Fed-Chefin Janet Yellen vorgeworfen, mit einer lockeren Geldpolitik den damaligen US-Präsidenten Barack Obama zu unterstützen. "Nun kommt ein opportunistischer Schwenk", meint Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Trump befürchtet jetzt offenbar, dass höhere Zinsen der US-Konjunktur schaden können." So mancher Experte erwarte dennoch, dass sich die Währungshüter nicht von ihrem Kurs abbringen lassen und die Zinsen wie signalisiert anheben.

Die Fed hat heuer bereits zwei Mal den Leitzins erhöht, zuletzt im Juni auf die Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. An den Börsen wird mit weiteren Schritten gerechnet, weil die US-Wirtschaft heiß läuft. Die Inflation ist so hoch wie seit sechs Jahren nicht und die Arbeitslosigkeit so gering wie seit rund zwanzig Jahren - auch dank Trumps radikaler Steuerreform.

Dessen Kritik kommt kurz vor der jährlichen Konferenz der weltweit wichtigsten Notenbanker, die sich ab Freitag in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming treffen. Dort werden die Experten sicher auch die Unabhängigkeit der Fed erörtern. Kurzfristig erwarten viele Fachleute zwar keine Auswirkungen von Trumps Äußerungen. Der Präsident präge allerdings das Meinungsklima im Land, sagte Krämer. "Wenn beträchtliche Teile der Wähler gegen die Unabhängigkeit der Zentralbank sind, kann sich dem keine Zentralbank der Welt auf Dauer entziehen." Dann hätte die Fed Gegenwind: "Langfristig ist das gefährlich."

Vorwurf der Manipulation

Das Institut selbst äußerte sich nicht zu Trumps Kritik. Notenbankchef Powell hatte vor kurzem in einem Interview betont, die Fed habe eine lange Tradition der Unabhängigkeit und mache ihre Arbeit "streng unpolitisch". Im Zusammenhang mit ihm warf Trump nun im Reuters-Gespräch die Frage auf: "Bin ich zufrieden mit meiner Wahl?" Und beantwortete sie gleich: "Ich werde es Sie in sieben Jahren wissen lassen."

Der US-Präsident dämpfte zugleich Hoffnungen auf eine Entspannung im Handelsstreit mit China. Es gebe keinen Zeitrahmen zur Beendigung des Konflikts: "Ich bin wie sie - ich habe einen langen Atem." Bei den Gesprächen diese Woche in Washington werde wohl nicht viel herauskommen.

Der Zollkonflikt belastet bereits viele Firmen und drückt auf die Stimmung in der Wirtschaft. Trump stört sich am Defizit seines Landes im Handel mit China und Europa. Er hat daher Sonderzölle erhoben und plant weitere Maßnahmen. Allerdings antworteten China und die EU mit höheren Abgaben auf US-Importe. Trump räumte harte Verhandlungen ein, sagte aber: "Als Handelskrieg würde ich das nicht bezeichnen."

Der US-Präsident warf China und Europa erneut vor, ihre Währungen zu manipulieren, um auf den Weltmärkten bessere Chancen zu haben. Zum Yuan hat der Dollar dieses Jahr bisher mehr als fünf Prozent zugelegt. Der Euro hat zum Dollar mehr als vier Prozent nachgegeben.