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"Wir glauben, dass Jackson Hole sehr wichtig ist im Kontext von extremen Stimmungen und der Positionierung des Dollars", schreibt etwa der Analyst Mark McCormick von den TD Securities. "Damit kommt es zu asymmetrischen Risiken für den Dollar", weil jedes Zeichen wiederum zu einer gesteigerten Nachfrage und Angebotsknappheit für US-amerikanische Titel ausgelegt werden könnte.

Diese Risiken werden dadurch verstärkt, dass die Fed derzeit die einzige nennenswerte Notenbank der Welt ist, die die Zinsen ihrer Währung anhebt.

Denn überall sonst ist das Umfeld bei weitem nicht rosig: Der Einbruch der türkischen Lira lässt die Anleger in Scharen aus der Türkei flüchten - hinein in den vermeintlich sicheren Hafen USA.

Die Währungen der Schwellenländer in Lateinamerika, Indien oder sogar China verlieren schon seit längerem an Wert. Die Abhängigkeit dieser Länder von ausländischem Kapital und damit die Verletzlichkeit der Volkswirtschaften wird dadurch deutlich sichtbar. Es handelt sich um Vermögen, das nur in anderen Ländern geparkt war, bis die USA die Zinsen wieder erhöht haben.

Aber das Problem ist nicht nur die Kapitalflucht. Es gibt viele Schwellenländer - von der Türkei über den Iran, Russland, Indien, Argentinien, China, Chile bis hin zu Südafrika -, die auf einer "Zeitbombe" sitzen: nämlich einer Verschuldung in US-Dollar, erklärt David Kotok von Cumberland Advisors.

Eurozone bleibt verhalten

Die verhaltene Konjunktur in Europa führt wiederum dazu, dass auch die Europäische Zentralbank EZB ihre Geldpolitik bis auf weiteres nicht dem Vorkrisenniveau anpasst. Bekanntlich hält die EZB ihren Leitzins seit März 2016 auf null Prozent und will an diesem Zinssatz bis mindestens Sommer 2019 festhalten.

"Wie lange kann die Fed ihre Zinsen noch anheben, wenn sie der einzige Tänzer bei diesem Ball bleibt?", fragen etwa Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters. Ansonsten haben nur die Notenbanken von Kanada und Großbritannien ihre Zinsen angehoben. Währungen, die international wenig Gewicht haben.

Seit April hat der US-Dollar durchschnittlich rund sechs Prozent gegenüber den wichtigsten anderen internationalen Währungen zugelegt. Die Rendite der Zehn-Jahres-Staatsanleihen der USA und Deutschlands sind ebenfalls auseinandergedriftet.

"Das zeigt, dass man nicht eine Zentralbank haben kann, die sich vorwärts bewegt, und alle anderen tun das nicht. Es wird sich etwas verschieben", sagt etwa Joe Lavorgna, Chefökonom für die Investment-Firma Natixis.

Die Chefin der Fed von Kansas City, Esther George, erklärte in einem am Donnerstag ausgestrahlten Interview, aus ihrer Sicht seien heuer "zwei oder mehr Zinserhöhungen" angebracht.

Im kommenden Jahr könnten dann mehrere zusätzliche Anhebungen folgen, sagte sie Bloomberg TV. Allerdings könnte sich dies je nach den wirtschaftlichen und finanzpolitischen Bedingungen ändern. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt die Zinserhöhungen der Fed kritisiert.