• vom 03.09.2018, 19:15 Uhr

International

Update: 03.09.2018, 19:21 Uhr

China-Afrika

Der Drache sichert sein Revier




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Von Ronald Schönhuber

  • Mit Finanzhilfen soll der Einfluss Chinas in Afrika deutlich weiter ausgebaut werden.

Chinas Präsident Xi beim Familienfoto mit seinen afrikanischen Amtskollegen. - © afp

Chinas Präsident Xi beim Familienfoto mit seinen afrikanischen Amtskollegen. © afp

Peking. Auch knapp zweieinhalb Jahre nach ihrer Eröffnung wirkt die Stadtbahn ein wenig wie ein Ding aus einer anderen Welt. Unberührt vom täglichen Verkehrschaos in Addis Abeba gleiten die hochmodernen Züge auf ihrer Stelzenkonstruktion über die äthiopische Hauptstadt. Die grünen Kunststoffsitze sind bequem, die großflächigen Glasfenster lassen viel Licht herein. Noch wichtiger als Komfort und moderne Anmutung ist den meisten Passagieren allerdings der Ticketpreis. Denn mit umgerechnet 0,30 Cent kostet eine Fahrt gerade einmal ein Drittel des Buspreises und ist damit für fast alle leistbar.

Ganz anders sieht es dagegen bei den Bau- und Finanzierungskosten aus. Mit 475 Millionen Dollar allein für die Errichtung liegt das aufsehenerregende Stadtbahnprojekt weit über dem, was Äthiopien und die Stadt Addis Abeba allein hätten stemmen können. Gebaut wurde die knapp 17 Kilometer lange Tram-Linie daher von überwiegend chinesischen Unternehmern, die das erste Projekt dieser Art in Subsahara-Afrika in weniger als drei Jahren aus dem Boden stampften. 85 Prozent der benötigten Gelder kamen dabei von der chinesischen Import-Export-Bank.


"Willkommen im Expresszug"
Doch nicht nur in Äthiopien, sondern in ganz Afrika hat Peking in den vergangenen Jahren mit atemberaubenden Tempo seinen Einfluss ausgebaut. So hat die Volksrepublik mit einem Handelsvolumen von zuletzt rund 145 Milliarden Euro sowohl schon die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des Kontinents hinter sich gelassen. Dabei spielt China nicht nur eine wichtige Rolle als Handelspartner, sondern auch als Investor. Nach Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey sind inzwischen mehr als 10.000 chinesische Firmen in Afrika tätig und beschäftigen mehrere Millionen Afrikaner.

Geht es nach der chinesischen Regierung, soll Afrika in den kommenden Jahren aber noch vielmehr in den Fokus rücken. So stellte Präsident Xi Jinping zum Auftakt des zweitägigen China-Afrika-Gipfels in Peking, an dem mehr als 50 afrikanische Staats- und Regierungschefs teilnehmen, weitere 60 Milliarden Dollar an Krediten und Investitionen in Aussicht. 15 Milliarden Dollar sollen dabei als Hilfe und zinslose Darlehen fließen, dazu soll es eine Kreditlinie in Höhe von 20 Milliarden Dollar und einen zehn Milliarden Dollar schweren Spezialfonds für die China-Afrika-Entwicklung geben. Auch sollen einigen besonders armen Staaten Schulden gestrichen werden. "Wir begrüßen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung", sagte Xi, der am Montag bei seiner Eröffnungsrede auch versprach, bei Großprojekten künftig mehr einheimische Arbeiter zu beschäftigen. Der Vorwurf, dass die Volksrepublik bei den vor ihr gebauten Krankenhäusern, Autobahnen und Staudämmen alles in Eigenregie abwickelt und damit kaum Know-how-Transfer ermöglicht, war bisher einer der Hauptkritikpunkte der Länder Afrikas gewesen.

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Dokument erstellt am 2018-09-03 18:56:58
Letzte Änderung am 2018-09-03 19:21:23


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