• vom 03.09.2018, 19:15 Uhr

International

Update: 03.09.2018, 19:21 Uhr

China-Afrika

Der Drache sichert sein Revier




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Für die in Peking zusammengekommenen Staats- und Regierungschefs ist Xis Angebot aber nicht nur deswegen verlockend. Denn anders als die Europäer und die Amerikaner stoßen sich die Chinesen weder an einem staatlich dominerten Wirtschaftssystem, noch stellen sie unangenehmen Fragen nach Menschenrechten. Peking habe keine Scheu, mit Autokraten zu arbeiten, solange es sich Zugang zu Afrikas Bodenschätzen sichern könne, sagt der südafrikanische Wirtschaftsexperte und Politologe William Gumede gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Zudem ist es der chinesischen Führung in den vergangenen Jahren auch zu vermitteln gelungen, dass sie ein langfristiges und stabiles Interesse an Afrika hat. Und seit Xi vor fünf Jahren den Bau einer Neuen Seidenstraße eingeleitet hat, mit der neue Wirtschaftskorridore von China nach Südostasien, Europa und Afrika entstehen sollen, wird dieses Interesse noch viel stärker artikuliert. "Viele afrikanische Führer begrüßen Pekings Engagement als eine Alternative zu dem, was sie als halbherzige Ansätze der Vereinigten Staaten und Europas betrachten", schreibt Sabine Mokry vom China-Institut Merics in einer Analyse anlässlich des Gipfels. Während in den USA "keine kohärente Afrika-Politik" erkennbar sei, täten sich auch die Europäer schwer. Deutschland und andere Staaten hätten zwar damit begonnen, ihr Engagement zu vergrößern. Von einer gemeinsamen Linie könne aber keine Rede sein.

Der ganzheitliche Blick
Wie sehr Europa in Afrika mittlerweile im Hintertreffen ist, musste erst vor wenigen Tagen auch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel einräumen. "Afrika ist schon noch ein bisschen ein unentdecktes Terrain", sagte Merkel auf ihrer dreitägigen Reise durch Westafrika, die sie in den Senegal, nach Ghana und Nigeria führte. Einen der Gründe, warum das so ist, lieferte Merkel dabei allerdings gleich selbst mit. So würden Länder wie China bei der Anbahnung von Geschäften auch gleich ein Finanzierungsangebot mitliefern.

Tatsächlich betrachtet vor allem die Volksrepublik Afrika viel stärker aus einer ganzheitlichen Perspektive als die Europäer, die den Kontinent viele Jahre lang vor allem mit Flüchtlingen, Hunger und Katastrophen verbunden haben. So geht es China bei seinem Engagement längst nicht mehr nur um die Sicherung von Rohstoffen. Als Antwort auf die steigenden Lohnkosten in der Heimat verlagern chinesische Firmen auch Teile ihre Produktion in afrikanische Länder. Die Chinesen hoffen zudem, dass die wachsende afrikanische Mittelschicht zu einem zuverlässigen Abnehmer der eigenen Produkte wird - eine Perspektive, die mit der Eskalation des Handelsstreits mit den USA wohl nun noch wichtiger werden wird.

Einhergehend mit der engeren Verflechtung im Handel verfolgt China aber zunehmend auch militärische Interessen. Erst im Juli richtete Peking zur Vorbereitung auf den Gipfel ein Militärforum mit afrikanischen Staaten aus. Experten erwarten, dass China über die Militärkooperation mit Afrika auch seine Wirtschaftsinteressen auf dem Kontinent wie auch seine Seewege sichern will. Seit 2017 unterhält China einen ersten Marinestützpunkt im Ausland in Dschibuti, von wo auch die chinesischen Einsätze gegen Piraten unterstützt werden.

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Dokument erstellt am 2018-09-03 18:56:58
Letzte Änderung am 2018-09-03 19:21:23


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