• vom 05.09.2018, 07:00 Uhr

International

Update: 05.09.2018, 08:28 Uhr

Neue Seidenstraße

Chinas Schwenk nach Westen




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Die Pläne sind ambitioniert: 60 Nationen in Asien, Nahost, Afrika und Europa sollen an die neue Seidenstraße angeschlossen werden, 70 Prozent der Weltbevölkerung und 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wären dadurch erfasst. Die China-Expertin Elizabeth C. Economy zitiert in ihrem vor kurzem erschienen Buch "The Third Revolution" Xue Li, Direktor der Abteilung für Internationale Strategie an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS - Chinese Academy of Social Sciences), der das Konzept der "neuen Seidenstraße" als "Top Design" von Xi Jinpings Außenpolitik bezeichnet. Xue sagt, die "neue Seidenstraße" entspringe nicht zuletzt dem Wunsch von Präsident Xi Jinping, "etwas Großes" zu unternehmen, und würde auch zu seinem historischen Erbe beitragen. Mit der neuen Seidenstraße, so Xue, würde sich auch das Selbstverständnis Chinas wandeln: China würde sich nicht mehr länger als ostasiatisches Land sehen, sondern als Land, das sich im Zentrum Asiens sieht.

Die neue Seidenstraße als Teil chinesischer Geo-Strategie

Im Buch "The Third Revolution" gibt Autorin Elizabeth C. Economy auch Zhang Yunling, den Direktor für internationale Studien an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, wieder: "China sieht die neue Seidenstraße als Teil seiner Geo-Strategie. Man könnte es als Chinas ‚Schwenk nach Westen‘ begreifen." Und Economy fügt diesem Zitat die Aussage des Generalmajors der chinesischen Volksbefreiungsarmee Qiao Liang hinzu, der die Seidenstraßen-Initiative als "Absicherung gegen einen Schwenk der USA in Richtung Osten und Asien" bezeichnet.

Bei Chinas Schwenk nach Westen spielen Ostmittel- und Südosteuropa eine herausragende Rolle. Diese Länder dienen China als Tor zu den Märkten Westeuropas. China anerkennt auch die strategische Bedeutung dieser Region mit der Schaffung des sogenannten "16+1"-Formats. In dieser Konstellation gibt es regelmäßige Treffen und Projekte mit elf EU-Mitgliedsländern, nämlich Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Estland, Litauen, Lettland, Ungarn, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, sowie den fünf Balkanländern Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Montenegro und Serbien in einer diplomatischen Initiative. Das "16+1" steht für China. Der erste Gipfel in dieser Zusammensetzung fand bereits im Jahr 2012 - also noch ein Jahr, bevor die "neue Seidenstraße" offiziell aus der Taufe gehoben worden war - statt. Österreich ist übrigens mit Beobachterstatus bei diesem Format dabei.

In Brüssel ist man allerdings skeptisch: Denn die EU-Kommission sieht es gar nicht gerne, dass die Vertreter einzelner EU-Mitglieder bei Treffen mit chinesischen Spitzenpolitikern die gemeinsame Außenpolitik der Union untergraben könnten.

Die chinesische Ökonomin Chen Xi von der China Europe International Business School (CEIBS) mit Sitz in Shanghai beschäftigt sich mit den Wirtschaftsbeziehungen Chinas zu den 16 Ländern des "16+1"-Formats. Nach ihren Einschätzungen sind die baltischen Republiken für China vor allem in Hinblick auf deren IT-Kompetenz von Interesse, die Staaten der Visegrad-Gruppe würden als vergleichsweise gut entwickelte Volkswirtschaften ebenfalls interessante Partner für das Reich der Mitte. Rumänien und Bulgarien seien zwar wirtschaftlich weniger entwickelt als die meisten anderen mittel-/ost-europäischen Länder der EU, könnten in Zukunft aber bei Tourismus-Kooperationen mit China punkten: "Bulgarien ist preiswert und es gibt wunderbare Strände, und das könnte chinesische Touristen ansprechen." China interessiert sich aber auch für Polens Landwirtschaft: "Polen möchte mehr Früchte auf den chinesischen Markt exportieren, hier gibt es in jedem Fall Marktchancen. Die Essgewohnheiten in China ändern sich gerade. Viele junge Chinesen sind an europäischen Essensgewohnheiten interessiert. Da gibt es sicherlich Exportmöglichkeiten."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-04 15:54:06
Letzte Änderung am 2018-09-05 08:28:11


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