Die Rolle Österreichs
bei Chinas Plänen

Welche Rolle kann Österreich bei den Plänen der neuen Seidenstraße spielen? Chen Xi: "Österreich ist in der Regionen ein sehr aktiver Player. Österreich ist ein wichtiger Investor, Wien ist für viele Länder der Region ein wichtiger Bezugspunkt. Dazu kommt, dass es in Österreich eine Menge Expertise über die Region gibt. Die zentrale Lage in der Mitte Europas macht das Land zu einem wichtigen Partner für Infrastrukturprojekte. Welche Eisenbahnprojekte in diesem Teil Europas man auch immer plant, Österreich spielt bei den Überlegungen stets eine Rolle. Aus dieser Perspektive ist man in China sehr erfreut, dass Österreich an diesen Projekten ebenfalls großes Interesse hat."

Allerdings gibt es auch Rückschläge: So hat in Asien Malaysia einer milliardenschweren Bahnstrecken-Investition Chinas und anderen von China finanzierter Mega-Projekten einen Riegel vorgeschoben. Das jetzt gestoppte Eisenbahn-Projekt ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Seidenstraße. Neben der etwa 20 Milliarden US-Dollar (17,5 Milliarden Euro) teuren Bahnverbindung, die mit chinesischen Krediten und Staatsfirmen gebaut werden sollte, sind auch zwei Pipelines betroffen. In Kuala Lumpur hieß es, Malaysia könne sich die Projekte derzeit nicht leisten.

In Europa ist die EU-Kommission skeptisch: Die Bahnstrecke Belgrad-Budapest soll mit chinesischer Hilfe erneuert werden, die Fahrzeit für die rund 350 Kilometer soll von aktuell acht auf gut zweieinhalb Stunden verkürzt werden, die Kosten für die Sanierung der rund 160 Kilometer langen Teilstrecke werden bei rund 550 Milliarden Forint (1,8 Milliarden Euro) liegen. 85 Prozent dieser Summe werden durch einen chinesischen Kredit finanziert, die Bauarbeiten werden von einem chinesischen Konsortium ausgeführt. Betrieben werden soll die Strecke nach ihrer Fertigstellung von einem Joint Venture: Die ungarische Staatsbahn MÁV hätte daran einen 15-prozentigen Anteil, die restlichen 85 Prozent hält ihr chinesisches Pendant. Kritiker streichen heraus, dass die Strecke derzeit von lediglich 4000 Passagiere täglich genutzt wird und - sollte sich die Strecke doch als profitabel herausstellen - die Profite vor allem an chinesische Unternehmen gehen werden. Für die Regierung in Budapest überwiegen hingegen die Standortvorteile. Die EU-Kommission kritisiert, dass Ungarn bei der Vergabe des Auftrages für den Streckenumbau die EU-Richtlinien zur Ausschreibung von solchen Großprojekten missachtet habe und hat schon im Februar 2017 eine Untersuchung eingeleitet. In Brüssel wird zudem kritisiert, dass das Projekt der neuen Seidenstraße vor allem dazu diene, Überkapazitäten chinesischer Unternehmen abzubauen.