• vom 05.09.2018, 18:13 Uhr

International

Update: 05.09.2018, 20:17 Uhr

Monsanto

"Die Rehabilitierung der Demokratie"




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Von Konstanze Walther

  • Dass Monsanto einem Krebspatienten Schadenersatz zahlen muss, hat dem Anwalt Robert Kennedy Jr. das Vertrauen in die USA zurückgegeben.

"Persönlich befriedigend": Robert Kennedy zum Urteil.

"Persönlich befriedigend": Robert Kennedy zum Urteil.© ap/Mayo "Persönlich befriedigend": Robert Kennedy zum Urteil.© ap/Mayo

Brüssel/Washington. Roundup hat in dem vergangenen Jahrzehnt eine steile Karriere hingelegt. In den USA wurde das Herbizid des Konzerns Monsanto (den inzwischen Bayer gekauft hat) einst "nur" als Unkrautvernichter verwendet. "2006 hat Monsanto erklärt, es (Roundup, Anm.) hilft auch bei der Ernte, indem es die Pflanzen austrocknet. Das tut es ja auch", sagt der Anwalt Robert Kennedy Jr. Aber das ist eben nicht das Einzige, wofür Roundup ursächlich ist.

Nicht nur Robert Kennedy Jr., Neffe des US-Präsidenten John F. Kennedy, vertritt diese Meinung. Sondern auch die Ansicht von allen acht Juroren in San Francisco. Und schrieben damit Mitte August Geschichte.


Das Gericht entschied zum einen, dass Monsanto einem Krebspatienten knapp 40 Millionen Dollar Entschädigung zahlen muss. Dewayne Johnson hatte Roundup jahrelang im Rahmen seines Berufes als Platzwart verwendet. Roundup sei laut der Jury ursächlich für das Non-Hodgkin-Lymphom, den Lymphdrüsenkrebs von Dewayne Johnson.

Es war das erste Gerichtsverfahren zu den etwaigen Nebenwirkungen des Herbizids Roundup.

"Böswilligkeit, Unterdrückung oder Täuschung"
Aber das ist nicht alles. Die Jury befand außerdem, dass Monsanto Johnson einen Strafzuschlag zum Schadenersatz von 250 Millionen Dollar zahlen muss. Strafzuschläge werden nach kalifornischem Zivilrecht dann vergeben, wenn sich die beklagte Partei "Böswilligkeit, Unterdrückung oder Täuschung" (§3294) zuschulden kommen hat lassen.

Es handelt sich also um die Verwerflichkeit des Verhaltens des Konzerns.

Robert Kennedy Jr. hat gemeinsam mit der Anwaltskanzlei BaumHedlund den Kläger Johnson gegenüber Monsanto vertreten. Am Mittwoch war Kennedy gemeinsam mit Michael Baum auf Einladung der europäischen Grünen im Europaparlament, um die Erfahrungen mit Monsanto zu teilen. Durch den Verkauf Monsantos an die Bayer Aktiengesellschaft wird Monsanto ja zunehmend ein europäisches Thema.

Aber zurück zur Karriere von Roundup. Als das Herbizid vor mehr als zehn Jahren quasi auch als Erntehelfer empfohlen wurde, "fingen die Farmer an, es direkt auf Nahrungsmittel anzuwenden", erzählt Kennedy. Der Absatz von Roundup stieg um 75 Prozent. Die Erntefläche blieb allerdings fast gleich groß. Heute ist Roundup, und damit dessen Wirkstoff Glyphosat, "im Frühstück von unseren Kindern, in unserem Bier und in unserem Grundwasser", schildert Kennedy.

Doch es ist nicht die Popularität des Herbizids, für die Monsanto den Strafzuschlag von 250 Millionen Dollar in einem einzigen Verfahren zahlen muss. Sondern die Tatsache, dass der Konzern laut Anwälten und der Jury seit Jahrzehnten offenbar den Verdacht der Nebenwirkungen gezielt vertuscht hat. Dank des Gerichtsverfahrens - das beschleunigt wurde, weil Johnson laut seinen Ärzten nur noch wenige Monate zu leben hat - musste der Konzern Dokumente und E-Mails aushändigen, die zeigen, dass Studien zu den schädlichen Effekten von Roundup gezielt unterschlagen wurden, und Studien, die das Gegenteil bezeugen würden, vor allem von den hauseigenen Wissenschaftern verfasst wurden.

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Dokument erstellt am 2018-09-05 18:24:00
Letzte Änderung am 2018-09-05 20:17:09


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