• vom 05.09.2018, 18:13 Uhr

International

Update: 05.09.2018, 20:17 Uhr

Monsanto

"Die Rehabilitierung der Demokratie"




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Interne Memos zeigten schon 1998 und 1999, dass man im Konzern über Europas Bedenken besorgt war, dass Glyphosat zu einer Veränderung der DNS, nicht nur bei Pflanzen, sondern auch bei Menschen führen kann.

Eine Publikation zu den schädlichen Effekten, die Roundup auf Ratten hat, wurde etwa dank der Beziehung zwischen einem Monsanto-Mitarbeiter und dem Journal of "Food and Chemical Toxicology" in Misskredit gebracht. Der Monsanto-Mitarbeiter David Saltimiras hat 2012 zudem erfolgreich lobbyiert, damit verschiedene Personen Briefe an das Journal geschrieben haben, die daraufhin auch publiziert worden sind - die der Studie Mängel vorgeworfen haben, selektive Statistiken sowie Voreingenommenheit. Dokumente wie dieses E-Mail wurden vom Anwaltsteam nicht nur als Beweismittel über das gezielte Hinwegsehen von etwaigen schädlichen Effekten eingebracht, sondern liefen auch unter der Rubrik "Glaubwürdigkeit der Zeugen" - also wie sehr man Monsanto die Beteuerung der Unschädlichkeit abnehmen könne. In einem anderen Dokument schlägt Monsanto vor, eine Studie hausintern verfassen zu lassen, die dann ein paar externe Experten noch etwas adaptieren dürfen, um dann auch mit ihren Namen zu zeichnen. Das spare Geld und bringe Glaubwürdigkeit.

Möglich gemacht wurde das jetzige Verfahren durch eine Studie aus dem Jahre 2015 der Weltgesundheitsorganisation WHO. Deren Tochterorganisation, die International Agency for Research on Cancer befand, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend" ist. Dadurch wurde erstmals die wissenschaftliche Hürde genommen, die das US- Justizsystem braucht, um Zivilverfahren zuzulassen. Erst ab dann konnten die Anwälte tätig werden.

Eine "Stampede aus Liberalen" oder ein wegweisendes Urteil
"Wir hatten auch Glück mit der Jury", gibt Robert Kennedy Jr. zu. San Francisco sei eine aufgeklärte Stadt mit einem hohen Bildungsniveau, zwei der Juroren seien zudem Wissenschafter gewesen. Das sei sicher mit ein Grund, weshalb die Schadenersatzzahlungen in einem einzigen Verfahren mit zusammengerechnet 289 Millionen US-Dollar so hoch ausgefallen wären. Monsanto hat Berufung eingelegt. Insgesamt sind übrigens 8000 ähnlicher Verfahren anhängig.

Um seine Aktionäre zu beruhigen, habe Monsanto so getan, als würden sie in Kalifornien von einer Stampede von Liberalen überrannt werden, "als wären das Zombies", erklärt Anwalt Michael Baum, der auch daran erinnert, dass die Anwälte bei jedem neuen Verfahren sich um die Veröffentlichung von neuen Dokumenten bemühen werden. Das Anwaltsteam hat nach eigenen Angaben bei der Richterin mehr als 80 Prozent der erlangten Dokumente nicht vorbringen dürfen. Nicht einmal der Hinweis, dass Monsanto - nicht als einziges Unternehmen, aber immerhin - schon während des Vietnam-Kriegs Agent Orange hergestellt hat, war von der Richterin erlaubt worden. Trotzdem hat die Jury nach nur dreitägiger Beratung schließlich einstimmig für den Kläger entschieden.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-05 18:24:00
Letzte Änderung am 2018-09-05 20:17:09


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