• vom 10.09.2018, 19:31 Uhr

International

Update: 10.09.2018, 19:47 Uhr

Alibaba

Loyal zur Partei - oder zur Wall Street?




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Von WZ-Korrespondent Finn Mayer-Kuckuk

  • Chinas erfolgreichster Unternehmer Jack Ma gibt seine Posten bei Alibaba ab. Er umgeht damit den politischen Druck.

Bei der Verleihung des Doktortitels der Sozialwissenschaften an der Universität Hongkong: Jack Ma im Mai dieses Jahres.

Bei der Verleihung des Doktortitels der Sozialwissenschaften an der Universität Hongkong: Jack Ma im Mai dieses Jahres.© afp/De La Rey Bei der Verleihung des Doktortitels der Sozialwissenschaften an der Universität Hongkong: Jack Ma im Mai dieses Jahres.© afp/De La Rey

Peking. Das Muster ist von anderen Milliardären bekannt: In der Lebensmitte ziehen sie sich aus ihren Firmen zurück und überlassen das Tagesgeschäft den angestellten Management-Profis. Sie selbst beschäftigen sich damit, Ideen zu entwickeln und Gutes zu tun.

So hat es Microsoft-Gründer Bill Gates gemacht, oder Howard Schultz, der die Kaffeekette Starbucks groß gemacht hat. Nun hat auch Jack Ma den Fahrplan für seinen Ausstieg verkündet, der Gründer des chinesischen Internetkonzerns Alibaba. Nur: Er will eigentlich gar nicht aussteigen. Stattdessen plant er den Aufstieg zum übergreifenden Visionär für sein Firmenimperium.


In einer Nachricht an seine Mitarbeiter ließ Ma am Montagvormittag die Bombe platzen: "Kein Unternehmen kann sich ewig auf die Führung durch seine Gründer verlassen", schreibt er. Er wolle im kommenden Jahr den Posten des Präsidenten räumen und in zwei Jahren ganz aus dem Verwaltungsrat ausscheiden. Für die Zeit danach wolle er sich der "Verwirklichung von Träumen" widmen und dem Unternehmen durch die Entwicklung neuer Ideen nützen. "Wir haben hart daran gearbeitet, ein System der Unternehmensführung zu entwickeln, das ständig neue Talente nach oben bringt."

Ma ist schon seit fünf Jahren nicht mehr Hauptgeschäftsführer (CEO) von Alibaba. Schon der Posten des Präsidenten war weit vom Alltagsgeschäft entrückt - und schon jetzt überrascht Ma immer wieder durch seine Visionen. Er ist überzeugt, dass Online-Kunden künftig direkt beim Hersteller in den Herkunftsländern der Waren bestellen - große Handelsfirmen, Importeure und andere Mittelsmänner werden damit überflüssig. Zuletzt sprach er davon, dass Alibaba ein "Firma für alles" sein könnte. Sie könne Banken ersetzen, Reiseanbieter und Sozialmedien. Schon jetzt lässt er Supermärkte eröffnen, um in die Offline-Welt zu expandieren. Sein ganzer Stil ist dabei unkonventionell. Mal tritt er in wilder Perücke vor seine Mitarbeiter und trällert Karaoke-Lieder, mal "heiratet" er seine Angestellten symbolisch in einer Zeremonie, um die Bindung zu ihnen zu stärken.

Hinter dem angekündigten Rückzug steckt jedoch mehr als der Wunsch nach Freiheit von den Zwängen einer Führungsrolle.

Die Vorgaben der Führung wurden zunehmend strenger
Es war Druck von ganz anderer Seite, der ihm zuletzt immer mehr zu schaffen gemacht hat: Die Führung des Landes wacht derzeit wieder eifersüchtig darüber, dass keiner ihrer Untertanen sich außerhalb der ideologischen Leitlinien bewegt. Die Kommunistische Partei hat den geistigen Spielraum für Wissenschafter, Künstler und eben Unternehmer in den vergangenen Jahren immer weiter eingeengt. Präsident Xi Jinping fordert dafür ein immer klareres Bekenntnis zur Treue zu seiner Person und seiner Politik.

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Schlagwörter

Alibaba, Jack Ma, China

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-10 18:03:06
Letzte Änderung am 2018-09-10 19:47:40


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