• vom 10.09.2018, 19:31 Uhr

International

Update: 10.09.2018, 19:47 Uhr

Alibaba

Loyal zur Partei - oder zur Wall Street?




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Für Ma stellte sich damit zunehmend die Frage, was zuerst kommt: "die Pflicht gegenüber den Aktionären an der Wall Street oder Loyalität zum Team Xi?" So drückt es die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" aus. Ma gilt als besonders ehrlich und schlagfertig. Er schreckte ursprünglich auch vor Seitenhieben gegen die Politik seines Landes nicht zurück. Einst beschrieb er sein Verhältnis zur Regierung so: "Du kannst sie lieben, aber du solltest sie nicht heiraten."

Doch seit kurzem klingt Ma ganz anders. "In den vergangenen fünf Jahren ist das Geschäftsklima in China unter der Führung der Kommunistischen Partei immer nur großartiger geworden", lobte er sein Land auf einer Technikkonferenz in seiner Heimatprovinz Zhejiang. Zugleich äußert er sich abfällig über die westliche Demokratie und lobte den Einparteienstaat.

Die zunehmende Anpassung ist kein Wunder. Peking hat Ma bisher zwar in Ruhe gelassen, doch in Wirklichkeit ist auch die große Alibaba der chinesischen Regierung komplett ausgeliefert. Fast das ganze Geschäftsmodell basiert auf Kunden in China. Es war die Regierung, die Ma durch Regulierungen einen Großteil der internationalen Konkurrenz vom Hals gehalten hat. Sie könnte ihm jedoch genauso viele Steine in den Weg legen.

Ein besonderes Problem hat die Form seines milliardenschweren Börsengangs in New York geschaffen. 2014 stemmte Alibaba den größten Börsengang in New York.

Das wurde möglich durch eine absurde Konstruktion, die viele Risiken birgt. Denn an der Wall Street ist nur eine Zwischengesellschaft auf den Kaiman-Inseln notiert, nicht das eigentliche Unternehmen. Die Holding im Steuerparadies darf aus Gründen des chinesischen Außenhandelsrechts gar keine nennenswerten Anteile an den profitablen Alibaba-Firmen in China besitzen. Die Investoren haben also streng genommen eine Luftnummer gekauft. Die Regierung in Peking könnte Ma hier riesigen Ärger bereiten, indem sie den ganzen Zauber für illegal erklärt.

Ist Alibaba jetzt ein durch und durch chinesischer Betrieb unter der Fuchtel der KP? Oder ein modern-globales New Yorker Internetunternehmen? Die Antwort ist: beides. Es ist Mas Rolle, diese sehr unterschiedlichen Sichtweisen der gleichen Firma in der Öffentlichkeit glaubwürdig zu verkaufen. Da stört es nur, wenn er in die Niederungen des Alltagsgeschäfts eingebunden ist.

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Schlagwörter

Alibaba, Jack Ma, China

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-10 18:03:06
Letzte Änderung am 2018-09-10 19:47:40


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