• vom 12.09.2018, 18:02 Uhr

International

Update: 13.09.2018, 09:56 Uhr

Lehman-Pleite

Arbeiten bis zur Armut




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Von Klaus Stimeder

  • Die US-Wirtschaft boomt wieder - doch bei weiten Teilen der Bevölkerung kommt davon wenig bis nichts an.

Brian Garrett arbeitet in einer Plastikfabrik in Reading, Pennsylvania. Die Fabrik ist einer der wenigen verbliebenen Arbeitgeber in der Region. - © Spencer Platt/Getty Images/afp

Brian Garrett arbeitet in einer Plastikfabrik in Reading, Pennsylvania. Die Fabrik ist einer der wenigen verbliebenen Arbeitgeber in der Region. © Spencer Platt/Getty Images/afp

Washington D.C./Los Angeles. Es war ein zutiefst Trump’scher Moment, einer von denen, die die Essenz seines Charakters wie die seiner Präsidentschaft offenbaren. "Das erste Mal seit hundert Jahren ist das Wachstum des Bruttosozialprodukts (4,2 Prozent, Anm.) höher als die Arbeitslosigkeit (3,9 Prozent, Anm.)!": Der US-Präsident als Motor des vermeintlich größten Wirtschaftsbooms seit Ende des Ersten Weltkriegs, als Heiland einer darbenden Nation, die erst durch ihn wieder zu alter Stärke zurückgefunden hat.

Bis die Realität den 71-jährigen Ex-Reality-TV-Star wieder eingefangen hatte, dauerte es keine 24 Stunden; und ausnahmsweise war es diesmal nicht die politische Opposition, sondern einer seiner eigenen Leute, der die Dinge richtig einordnete. Die aktuellen Daten, erfasst im Zeitraum April bis Juni 2018, stellten die besten seit zehn, nicht seit hundert Jahren dar, teilte Kevin Hassett mit, der oberste Wirtschaftsberater des Weißen Hauses. Auch nicht ganz korrekt, aber immerhin: Das letzte Mal, als die US-Wirtschaft derart brummte, schrieb man das erste Quartal 2006 (5,4 Prozent Wachstum des Bruttosozialprodukts, 4,7 Prozent Arbeitslose). Darüber hinaus sei die von Trump als historisch bezeichnete Quartal-Wachstumsrate seit 1945 viele dutzende Male erreicht worden - das letzte Mal unter seinem Vorgänger Barack Obama - und stelle somit alles andere als eine Ausnahme dar.

Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach dem Ausbruch der großen Finanzkrise - am 15. September 2008 war der Investment-Bankriese Lehman Brothers offiziell bankrott und beantragte beim Staat Gläubigerschutz - und zwei Monate vor den für die politische Zukunft des Landes entscheidenden Midterms stehen die USA rein wirtschaftlich besehen mehr als robust da. Das Wachstum bewegt sich auf beständig hohem Niveau. Quer durchs Land ist die Arbeitslosigkeit so niedrig, dass von San Diego, Kalifornien, bis Bangor, Maine, de facto Vollbeschäftigung herrscht, während die Börse immer neue Höhenflüge feiert. Folgerichtig ist der Streit um die Deutungshoheit des vermeintlichen Erfolgs dieser Tage voll im Gange. Während Trump darauf besteht, dass das alles ihm und nur ihm allein zu verdanken sei, traute sich Obama jüngst im Rahmen eines seiner Auftritte als Wahlkampfhelfer für seine Demokraten darauf hinzuweisen, dass der Aufschwung bereits unter ihm begann.

Frühe Indikatoren weisen darauf hin, dass es für Trumps Republikaner bei den Midterms ein böses Erwachen in Form des Mehrheitsverlustes im Repräsentantenhaus und vielleicht sogar im Senat geben dürfte. Denn der Boom kommt überall an, nur nicht dort, wo man ihn nötiger hätte denn je: bei Trumps Wählern aus der Arbeiter- und Angestelltenschaft in der Stadt, aber vor allem am Land.




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Dokument erstellt am 2018-09-12 18:12:07
Letzte Änderung am 2018-09-13 09:56:44


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