Ein paar Tage später, am 15. April 2009, veröffentlichte er einen Blogbeitrag, in dem er sich mit Österreich beschäftigte: "Ist Österreich dem Untergang geweiht? Natürlich nicht. Es ist nicht so empörend gehebelt wie Island oder Irland." Aber wegen des gemessen an der Kleinheit des Landes viel zu großen Engagements seiner Banken in einer volatilen Region "könnte Österreich eine Bankenrettung benötigen, die die Staatsfinanzen ernsthaft belasten würde." Das Worst-Case-Szenario ist nie eingetreten - Raiffeisen und Erste Group sind in Osteuropa noch einmal davongekommen. Aber die zwei kleineren Player in Südost- und Osteuropa, die Hypo Alpe Adria und die Volksbanken (ÖVAG) hat ihr Engagement in der Region die Existenz gekostet, die Republik Österreich musste für viele Milliarden geradestehen. So weit lag Krugman mit seiner Prognose also gar nicht daneben.

Als die Krise dann in der Eurozone angekommen war, stellte sich rasch heraus, dass sich vor allem Griechenland, Spanien, Portugal, Irland und Italien in der Schusslinie finden würden. Anfang 2010 war klar, dass es Griechenland am schwersten treffen würde. Die griechische Wirtschaft wurde mit einem Notkredit der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 110 Milliarden Euro gerettet. Selbst Kritiker des Rettungspakets wie der frühere Syriza-Finanminister Yanis Varoufakis geben zu, dass die Gründe für Griechenlands chronische wirtschaftliche Schwäche in "endemischer Unterentwicklung, Korruption und Missmanagement" lagen.


Aber Varoufakis geht in seinem Buch "Die ganze Geschichte: Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment" (erschienen im September 2017) hart mit dem Rettungspaket ins Gericht. Nicht Griechenland sei gerettet worden, sondern deutsche und französische Banken. "Das Geld wurde umgehend an die französischen und deutschen Banken zurückgeleitet." Die Banken hätten ihr Risiko auf diese Art vergemeinschaftet - auf dem saßen nun die Steuerzahler.