Doch laut Varoufakis habe ein weiterer Punkt eine Rolle gespielt: "Wenn Griechenland seine Raten nicht begleichen konnte, würden Finanzleute weltweit Angst bekommen und Portugal kein Geld mehr geben, möglicherweise auch Italien und Spanien nicht mehr, weil sie fürchteten, dass sie als Nächste in Rückstand geraten könnten.




Wenn Italien, Spanien und Portugal ihre zusammengenommen 1,76 Billionen Euro Schulden nicht mehr zu akzeptablen Zinssätzen refinanzieren konnten, würden sie massiv bedrängt werden, die Kredite der drei führenden französischen Banken zu bedienen, was tiefe schwarze Löcher in ihre Bilanzen reißen würde."


Was bleibt nach Lehman?

Setzte der 15. September 2008 den Schlusspunkt für das Zeitalter des Optimismus, das mit dem Mauerfall 1989 begonnen hatte? Genauso wie der 11. September 2001 das Ende des unipolaren Moments für die USA, oder das Datum des Brexit-Referendums vom 23. Juni 2016 das Ende der EU-Phorie markiert?

Was die Welt seit dem 15. September 2015 erlebt, ist eine Welle der Deglobalisierung und der Rückkehr des Nationalismus. Die USA sind heute völlig paralysiert und polarisiert.

Die Lehman-Pleite und die Krisenjahre, die folgten, haben das Vertrauen in die politischen und wirtschaftlichen Eliten unterminiert. Teile der Bevölkerung haben das Gefühl, dass eine Plutokratie von Insidern die "Gesetze des Marktes" nach ihren Interessen zurechtzubiegen vermag. Und wenn die Dinge einmal schiefgehen, haben die Firmenbosse und Manager kaum Konsequenzen zu fürchten. Viele Wähler haben der Politik auch nicht verziehen, dass sie sich mit aller Kraft dafür eingesetzt hat, taumelde Banken zu retten, aber gleichzeitig die sich in den Krisenjahren noch verschlimmernde soziale Ungleichheit ignoriert. Für die meisten Menschen in den von der Krise hart getroffenen Regionen waren die vergangenen Jahre nach Lehman zehn verlorene Jahre.


Und so mündete die Krise des Kapitalismus in einer Krise der liberalen Demokratie.

Die auf die Finanz-Krise gefolgte nationalpopulistische Welle wiederum macht eine internationale Koordination, die 2008 das Schlimmste verhindert hat, in Zukunft unwahrscheinlich. Die Notenbanker haben mit ihrer Geldschwemme und ihren niedrigen Zinsen vermutlich verhindert, dass aus der großen Rezession von 2008 eine tiefe Depression wie in den 1930er Jahren wurde. Nun stehen sie aber vor der heiklen Aufgabe, dem Patienten die lieb gewordene Medizin wegzunehmen.