Zürich. (wak) Es ist ein Wirtschaftskrimi mit erheblichem Ausmaß. Geht es doch um eines der größten international tätigen Finanzdienstleistungsunternehmen, die Credit Suisse. Die Bank hat es durch das Zudrücken beider Augen geschafft, eklatante Korruptionsfälle bei anderen Weltkonzernen zu übersehen. Dabei geht es um niemanden Geringeren als den Weltfußballverband Fifa sowie die lateinamerikanischen Energiekonzerne Petrobras und PDVSA.

Zu diesem Urteil kommt die bei der Credit Suisse zuständige Bankenaufsicht - die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht, kurz Finma. Die Wege der jeweiligen Anwälte waren übrigens durchaus kurz: Sowohl Finma, Credit Suisse und auch die Fifa haben alle ihre Hauptquartiere in Zürich.

Ebenfalls mangelhaft verhalten hat sich die Credit Suisse im Umgang mit einer Person, der wohl ein gewisser Promi-Faktor zugutegekommen ist. Im Korruptions-Jargon nennt man das eine "politisch exponierte Person" (PEP).

Die Finma stellte auch in diesem Fall Mängel bei der Einhaltung der Sorgfaltspflichten im Bereich der Geldwäschebekämpfung fest.

So wurde die Geschäftsbeziehung mit dem Promi, die erhöhte Risiken umfasste, zu spät als riskant erfasst. "Die Bank kam ihren erhöhten Sorgfaltspflichten hinsichtlich Abklärung, Plausibilisierung und Dokumentation rund um die erwähnte Kundenbeziehung nicht ausreichend nach - dies auch bei gewissen Transaktionen mit erhöhten Risiken."

Die Bank muss nun, so lautet das Urteil der Finma, die keine Strafen vergeben kann, bis Ende 2019 eine automatisierte Gesamtsicht über Kundenbeziehungen für alle relevanten Stellen implementiert haben. Die Finma wird außerdem einen Aufpasser einsetzen, der die vollständige Umsetzung dieser und der weiteren seit 2015 eingeleiteten Maßnahmen sowie deren Angemessenheit und Wirksamkeit überprüfen wird.

Die Diskretion als standardisiertes Wegschauen

Wie lauten nun die kritisierten Mängel im Detail? Bei Fifa, Petrobras und PDVSA sei immer dasselbe Muster zu erkennen gewesen. Es mangelte bei der Identifizierung der Kunden sowie bei der Identifizierung der Berechtigten - also wenn etwa bei einem Konto eine begünstigte Person angeführt wird. Außerdem wurden verdächtige Transaktionen in Sachen Geldwäsche nicht als "Geschäftsbeziehung mit erhöhtem Risiko" eingestuft. Dazu kommen etwa die fehlenden Abklärungen, die eine riskante Geschäftsbeziehung mit sich bringt sowie die fehlende Dokumentation.