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Paris. (reuters/red) Die Industriestaatenorganisation OECD blickt angesichts der Handelskonflikte etwas pessimistischer auf die globale Konjunkturentwicklung. Nach der jüngsten Prognose wird die Weltwirtschaft heuer und im kommenden Jahr jeweils 3,7 Prozent zulegen, nach 3,6 Prozent im Vorjahr, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag in Paris mitteilte.

Im Mai war sie noch von einem Plus von 3,8 in diesem und von 3,9 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen. Grund sei, dass sich das Handelswachstum als Motor der Weltkonjunktur 2018 von fünf auf drei Prozent 2017 verlangsamen dürfte.

Die OECD führt diese Entwicklung direkt auf die Konflikte der USA mit seinen wichtigsten Handelspartnern zurück. Die weltgrößte Volkswirtschaft selbst bekommt die Bremswirkung aber nicht zu spüren: Die OECD rechnet bei ihr unverändert mit einem Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent im laufenden Jahr. Dies sei die dortigen Steuersenkungen und staatliche Investitionen zurückzuführen. Für das kommende Jahr senkte die OECD aber den Ausblick für die USA auf 2,7 von zuletzt 2,8 Prozent.

Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel. - © afp/Anthony Wallace
Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel. - © afp/Anthony Wallace

"Der Handelsstreit beginnt sich auszuwirken, wir sehen erste Konsequenzen auf das Vertrauen und auf Investitionspläne", sagte der Chefökonom der OECD, Laurence Boone. "Es gibt kein Wachstum im Handel mehr, die Handelsbeschränkungen zeigen deutliche sektorale Effekte und der Level an Unsicherheiten in Handels-Angelegenheiten ist groß. Die Länder müssen ein weiteres Abgleiten in Richtung noch mehr Protektionismus verhindern und das globale, regelbasierte Welthandelssystem wieder stärken und den internationalen Dialog wieder auf Schiene stellen, damit die Wirtschaft wieder das Vertrauen in die Sinnhaftigkeit von Investitionen zurückerlangt", sagte Boon. "Die strafferen Bedingungen im Finanzsektor verursachen bereits Stress in einer Reihe von Volkswirtschaften, etwa in der Türkei oder in Argentinien. Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen und weitere Turbulenzen zu vermeiden."

OECD-Appelle an die Politik
zu mutigeren Reformen

Der OECD-Bericht ruft die Politik dazu auf, Maßnahmen zu setzen, die die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftssystems verbessern, die Produktivität erhöhen und die Inklusivität verbessern. Die Politik solle dafür sorgen, dass die Wurzel der derzeitigen Probleme auf den Finanzmärkten anzupacken: Dazu gehören nach Meinung der OECD überhöhte Preise auf den Anlagemärkten und der hohe Schuldenstand im privaten und öffentlichen Sektor. Die Fiskalpolitik soll nach Empfehlung der OECD-Experten in eine Richtung gelenkt werden, die ein längerfristiges Wachstum unterstützt. Eine Bildungs- und Ausbildungsreform müsse die Skills der Arbeitnehmer verbessern, gleichzeitig müsse der Arbeitsmarkt inklusiver werden. Die größte Sorge bereiten den OECD-Ökonomen aber der drohende Handelskrieg zwischen den USA und China sowie die wachsenden protektionistische Tendenzen.

China will den Handelskrieg mit den USA indes dazu nutzen, um sich weniger abhängig von Importen zu machen und die Entwicklung eigener Hightech-Produkte voranzutreiben.

China will sich von Importen unabhängiger machen

"China hat keine Angst, dass die US-Maßnahmen die Preise von Gütern im Inland zu sehr steigen lassen, sondern wird die Gelegenheit nutzen, Importe zu reduzieren, die lokale Produktion zu stärken oder hochwertige Güter für den Export zu entwickeln", schrieb die Zeitung der Kommunistischen Partei, "Peoples Daily", am Mittwoch in einem Leitartikel auf der Titelseite ihrer internationalen Ausgabe. China müsse sich angesichts eines Handelskrieges nun darauf konzentrieren, die eigenen Fähigkeiten zu nutzen.

Auch die ebenfalls mit der herrschenden Kommunistischen Partei verbundene Zeitung "Global Times" - die üblicherweise im Ton schärfer als "People’s Daily" schreibt - argumentiert in einem Kommentar, der Handelsstreit sei eine Gelegenheit, das Ansehen der chinesischen Finanzmärkte international zu stärken.

US-Präsident Donald Trump hatte am Montag zehnprozentige Zuschläge auf Waren aus China in einem Wert von 200 Milliarden Dollar angekündigt. China hatte darauf mit der Ankündigung von Gegenzöllen reagiert.