Zürich. (apa/awp/sda) Im September krachte Lehman Brothers, brach der US-Immobilienmarkt ein - und damit kam dann auch die stolze Schweizer Bank UBS vor zehn Jahren derart ins Strudeln, dass sie gerettet werden musste. Dabei hatte die UBS zunächst noch so getan, als ginge es ihr bestens, hatte lange, als sich schon dunkle Wolken über sie zusammenzogen, beschwichtigt.

Am 16. Oktober war dann aber klar, dass die öffentliche Hand UBS retten muss. Die Aktion des Bundes und der Nationalbank war zwar von langer Hand vorbereitet. Für die Öffentlichkeit kam sie trotzdem überraschend. Es war ein Schock, der bei der Großbank jedoch unmittelbar kaum etwas bewirkt hat.

Kurz vor sieben Uhr riss am nämlichen Tag eine Mitteilung des Bundesrats die Schweiz aus dem Schlaf. In nur leicht verklausulierter Form teilte er dem Land darin mit, dass die größte Schweizer Bank vor dem Kollaps stehe und sie deshalb vom Staat gerettet werden müsse.

Es war dabei nicht so, dass das Schweizer Bankenflaggschiff davor als unsinkbar gegolten hätte. Anfang Oktober schien die Großbank aber beide Stürme - den Untergang von Lehman Brothers und ihre hohen Verluste am US-Immobilienmarkt - einigermaßen überstanden zu haben. Das zumindest ließ der Kapitän verlauten. "Ich bin in der glücklichen Lage, Ihnen berichten zu können, dass wir die UBS recht erfolgreich durch diese Turbulenzen manövrieren konnten", sagte der damalige UBS-Präsident Peter Kurer am 2. Oktober in einer Generalversammlung.

Nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Fachwelt glaubten ihm - bis am 16. Oktober der Bundesrat die Bombe platzen ließ. Was der Bund und die Schweizerische Nationalbank (SNB) damals präsentierten, war jedoch trotz des Überraschungseffekts kein Schnellschuss, sondern das Resultat jahrelanger Vorbereitung, angestoßen durch die Swissair-Insolvenz 2001.

Begonnen hatte alles mit einem ehrgeizigen Wachstumsplan. "Unsere Investmentbank soll die Nummer eins werden", erklärte UBS-Präsident Marcel Ospel im Februar 2005. In der Folge mutierte die zuvor als grundsolide geltende UBS zu einem Finanzcasino, das auf dem US-Hypothekenmarkt mit hochriskanten Derivaten spekulierte.

Die Rechnung ging auch die ersten Jahre auf. Dann drehte sich der Wind. Die Preise und damit auch der Wert der von der UBS angehäuften Finanzprodukte begannen zu sinken. Bis in den Herbst 2008 häuften sich buchhalterische Verluste von über umgerechnet 35,36 Milliarden Euro an.

Im Oktober 2008 setzte der UBS jedoch nicht nur die Fehlspekulationen ihrer Investmentbank zu. Ein Sturmtief hatte sich auch über der Vermögensverwaltung zusammengebraut. Im Juni 2007 lieferte der ehemalige UBS-Kundenberater Bradley Birkenfeld den US-Behörden die Informationen, mit denen diese die Großbank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung anklagen konnte.

Weil eine Klage das sichere Aus der Bank bedeutet hätte, trat der Bund 2008 ein zweites Mal als Nothelfer auf. Der Bundesrat schickte im Juni 2008 Vertreter nach Washington. Im Februar 2009 läutete er mit der ersten, rechtlich zweifelhaften Herausgabe von Kundendaten das Ende des Schweizer Bankgeheimnisses ein.

Bewirkt hat das bei der UBS zuerst wenig. Am "bewährten Geschäftsmodell" einer Universalbank - so drückten sich die UBS-Chefs damals tatsächlich aus - hielt die Bank fest. Millionenboni und hohe Spesenrechnungen gehörten weiter zur Tagesordnung. Die Geschäftskultur hatte sich auch sonst kaum gewandelt.

Hohe Strafen

Ob nach 2009 Wechselkurse oder Leitzinsen manipuliert wurden: Die UBS hatte ihre Hände im Spiel. Das ging ins Geld: Von 2009 bis 2018 zahlte die UBS für Rechtsfälle und Bußen fast zehn Milliarden Euro.

Mittlerweile hat sich die UBS markant verändert - wenn auch weniger aus eigener Einsicht, sondern aufgrund neuer Regulierungen, der Digitalisierung und dem wirtschaftlichem Aufstieg Asiens. So arbeiteten 2007 bei der Großbank 22.000 von insgesamt 84.000 Beschäftigten im Investmentbereich. Ende 2017 waren es nur 5000 von 61.000 Angestellten. Von 7000 auf über 25.000 angewachsen ist dagegen die Zahl der Stellen im Corporate Center, das die Einhaltung der Regulierung überwachen muss.