Berlin. (reu/dpa) Die führenden Forschungsinstitute senken angesichts der schwächeren Weltkonjunktur ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte in diesem Jahr statt der noch im Frühling erwarteten 2,2 nur um 1,7 Prozent wachsen, teilten sie am Donnerstag mit. Für 2019 wird ein Plus von 1,9 (bisher: 2,0) Prozent vorausgesagt, für 2020 von 1,8 Prozent. "Die Nachfrage aus dem Ausland ist schwächer geworden, gleichzeitig haben Unternehmen offenbar zunehmend Probleme, genügend Arbeitskräfte für ihre Produktion zu finden", sagte Roland Döhrn vom RWI-Institut. Konsum und Bauboom dürften die Konjunktur aber stützen.

In der Gemeinschaftsdiagnose mit dem Titel "Aufschwung verliert an Fahrt - Weltwirtschaftliches Klima wird rauer" wird die Politik der deutschen Bundesregierung kritisiert. "Kurzfristige Initiativen wie das Baukindergeld führen tendenziell zu Mitnahmeeffekten und steigenden Kosten, weil die Bauwirtschaft ohnehin gut ausgelastet ist", sagte Döhrn. "Die Förderpolitik im Wohnungsbereich sollte in der derzeitigen konjunkturellen Lage stärker auf Kontinuität angelegt sein."

Zugleich warnen die Experten vor einem Handelskrieg mit den Vereinigten Staaten. "Eine Eskalation des Handelskonflikts, die zu erheblichen Zollerhöhungen der USA auf breiter Front führt, dürfte in Deutschland und in Europa eine schwere Rezession auslösen", so Döhrn. Vergeltungsmaßnahmen "dürften den Konjunktureinbruch in der EU abmildern und in den USA eine schwere Rezession auslösen".

US-Präsident Donald Trump hat Sonderabgaben auf Autos aus der EU - den größten deutschen Exportschlager - ins Spiel gebracht. Derzeit verhandeln beide Seiten darüber, weshalb in dieser Frage eine Art Waffenstillstand herrscht. Gegen China hat Trump dagegen bereits im großen Stil Sonderzölle verhängt. Die Welthandelsorganisation (WTO) senkte am Donnerstag ihre Prognose für das Wachstum des Welthandels 2018 deswegen deutlich; von 4,4 auf 3,9 Prozent. In den USA stieg das BIP von April und Juni dank des Steuersenkungspakets auf 4,2 Prozent.

Trotz steigender Ausgaben rechnen die Institute in diesem Jahr mit einem deutschen Rekordüberschuss im Staatshaushalt von rund 54 Milliarden Euro. Dieser werde aber in den kommenden Jahren auf gut 40 Milliarden Euro schmelzen. Die Gutachter rechnen zudem mit einem anhaltenden Jobboom. 2020 soll es rund 45,6 Millionen Beschäftigte geben, etwa 1,3 Millionen mehr als im vergangenen Jahr. Zugleich soll die Arbeitslosenquote auf 4,5 Prozent fallen, nach 5,7 Prozent im vorigen Jahr.