• vom 10.10.2018, 17:50 Uhr

International

Update: 10.10.2018, 18:26 Uhr

Afrika

Südafrikas "Liebling der Märkte"




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Von Klaus Huhold

  • Der neue Finanzminister Mboweni hat bei Bankern einen guten Ruf. Vorgänger Nene wird sein Rücktritt hoch angerechnet.

Nene (l.) wird von Mboweni als Finanzminister abgelöst. - © reuters/Siphiwe Sibeko; apa/afp/Rodger Bosch

Nene (l.) wird von Mboweni als Finanzminister abgelöst. © reuters/Siphiwe Sibeko; apa/afp/Rodger Bosch



Pretoria/Wien. Die Märkte, die Investoren, die Analysten und all die anderen Mächte, die die Finanzpolitik eines Landes begutachten und beeinflussen, sie alle waren nervös geworden. Also musste Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa schnell handeln, nachdem ihm sein Finanzminister abhandengekommen war. Deshalb rief Ramaphosa den früheren Leiter der Zentralbank, Tito Mboweni, am Dienstagabend um neun Uhr an, um diesem mitzuteilen, dass er der neue Finanzminister des Landes sei. Am Mittwoch hatte der 59-Jährige seinen ersten Arbeitstag in seinem neuen Amt. "Ich denke, der Präsident hat mir soeben meine Freiheit genommen", sagte er bei seinem Arbeitsbeginn den anwesenden Journalisten.

Die Märkte waren jedenfalls gleich beruhigt, dass mit Mboweni, der unter der Präsidentschaft Nelson Mandelas auch vier Jahre lang Arbeitsminister war, ein derart erfahrener Mann nun Finanzminister ist. Der Währung Rand blieben größere Schwankungen erspart und von den Finanzmarktanalysten der großen Banken wurde die Ernennung mit lobenden Worten bedacht. Schon als Zentralbankchef sei Mboweni "ein Liebling der Märkte" gewesen, sagte Isaac Matshego, einer der Chefökonomen der Nedbank, eines der größten Geldhäuser Südafrikas, der Nachrichtenagentur "Reuters".


Der lange Schatten
des Gupta-Clans

Der Ernennung Mbowenis war der Rückzug seines Vorgängers Nhlanhla Nene vorausgegangen. Dieser war über einen Fall gestolpert, der weit in die Vergangenheit reicht. Nene hatte eingeräumt, die Familie Gupta, einen Clan von Geschäftsleuten, in den vergangenen Jahren mehrmals in ihrem Anwesen besucht zu haben. Er hatte damit gelogen, als er behauptet hatte, den Guptas lediglich bei offiziellen Anlässen begegnet zu sein.

Die indischstämmigen Brüder Ajay, Atul und Rajesh Gupta haben in den vergangenen Jahren die südafrikanische Politik und Geschäftswelt aufgemischt wie keine andere Familie. Von Minen bis zu Medien, in allen möglichen Geschäftsfeldern haben die Guptas Geld verdient. Sie unterhielten ein Naheverhältnis zu Ex-Präsident Jacob Zuma, sollen über Spitzenposten in Ministerien und bei Staatsbetrieben bestimmt und ein Netzwerk zur persönlichen Bereicherung geflochten haben. Gegen die Guptas laufen Ermittlungen, sie weisen zurück, Gesetze gebrochen zu haben. Der Fall Gupta wurde zum Symbol für unsaubere Verflechtungen zwischen Geschäftswelt und Politik und war einer der Hauptgründe, warum Zuma von seiner eigenen Partei, dem African National Congress (ANC), als Vorsitzender und Staatspräsident gestürzt wurde.

Schwieriges Umfeld für
neuen Minister

Sein Nachfolger Ramaphosa ist angetreten, um mit diesem Erbe aufzuräumen. Dem zurückgetretenen Finanzminister Nene wird von Kommentatoren hoch angerechnet, dass er von selbst um seinen Rücktritt ersucht hat. Ob er damit die Weichen für die Zukunft neu gestellt hat, wird sich aber erst weisen. Es könnten noch weitere Kabinettsmitglieder tiefer in die Causa Gupta verstrickt sein als bisher bekannt - und es würde sich dann erst zeigen, ob sie ebenso konsequent handeln.

Der neue Finanzminister Mboweni hat eine schwere Aufgabe vor sich. Südafrikas Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2018 in eine Rezession gerutscht. Zwar erholt sie sich nun leicht, sodass sich am Ende des Jahres ein leichtes Plus ausgehen sollte. Doch das wird nicht reichen, um für mehr Jobs - die Arbeitslosigkeit liegt bei fast 30 Prozent - zu sorgen.

Für größere Ausgaben fehlt Mboweni das Geld - zumal Südafrika wie andere Schwellenländer zittern muss, dass sich Investoren wegen des gestiegen Dollars und Unsicherheiten auf den Weltmärkten zurückziehen. Doch Mboweni gilt ohnehin nicht als Mann, der schnell viel ausgibt. Er steht eher für finanzpolitische Stabilität.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-10 18:00:44
Letzte Änderung am 2018-10-10 18:26:59


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