• vom 11.10.2018, 17:30 Uhr

International


IWF

"Reparieren, aber nicht zerstören"




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  • IWF-Chefin Lagarde erteilt Trump einen wirtschaftspolitischen Tadel. Der US-Präsident drohe das System des Welthandels zu zerstören. Er verschärfte seinen Ton auch gegenüber der Zentralbank.

IWF-Chefin Christine Lagarde eröffnete ihre Herbsttagung mit der Weltbank mit scharfer Kritik an Donald Trump. - © ap/Firdia Lisnawati

IWF-Chefin Christine Lagarde eröffnete ihre Herbsttagung mit der Weltbank mit scharfer Kritik an Donald Trump. © ap/Firdia Lisnawati

Nusa Dua/Washington. (ast) Es war eine Predigt für die willige Gemeinde, als IWF-Chefin Christine Lagarde in wesentlichen wirtschaftspolitischen Fragen auf Distanz zu US-Präsident Donald Trump gegangen ist. Das internationale System des weltweiten Handels dürfe nicht zerstört werden, sagte Lagarde zur Eröffnung der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Indonesien. Lagarde räumte einen Reformbedarf des Handelssystems unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO) ein - wie schon tags zuvor deren Präsident Roberto Azevedo. Mit ihrer Forderung "Repariert es, aber zerstört es nicht" ermahnte sie vor allem die USA und China, an der Deeskalation von Handelsstreitigkeiten zu arbeiten und Fehler bei den weltweiten Handelsregeln zu beheben, anstatt sie aufzugeben. Das dürfte bei den Anwesenden auf große Zustimmung gestoßen sein. Dass sich dies die genannten Streithähne zu Herzen nehmen werden, ist relativ unwahrscheinlich.

Die Regeln des Welthandels hätten allen Nationen Nutzen gebracht, sagte die frühere französische Ministerin weiter. Lagarde betonte auch, dass Zentralbanken ihre Zinsentscheidungen entsprechend ökonomischen Indikatoren treffen müssten. Wenn das Wachstum stark und die Arbeitslosigkeit extrem niedrig sei, müssten die Zentralbanken "die Entscheidungen treffen, die sie treffen", betonte die frühere französische Finanzministerin.


"Fed ist
verrückt geworden"

US-Präsident Trump hatte nämlich zuvor der US-Notenbank vorgeworfen, sie sei "verrückt geworden". Sie mache einen Fehler, da sie die Zinsen so stark erhöhe, schoss sich Trump am Mittwoch bei einer Wahlveranstaltung in Pennsylvania gegen die Fed ein.

Nach dem jüngsten Kursverfall an den Börsen befürchtet er außerdem weiteres Unheil für die Wall Street. Die Talfahrt sei eine "Kurskorrektur", die seit langem erwartet worden sei: "Aber ich bin wirklich nicht einverstanden, was die Fed da macht", fuhr Trump fort.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat in diesem Jahr bereits dreimal den Leitzins in den USA erhöht, ein vierter Schritt erscheint zudem wahrscheinlich.

Trump befürchtet offensichtlich vor den Kongresswahlen am 6. November, dass der Boom in der US-Wirtschaft gebremst werden könnte. Der Immobilien-Mogul bricht mit seiner Kritik wiederholt die Tradition, dass sich US-Präsidenten nicht in das Geschäft der eigentlich unabhängigen Zentralbank einmischen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin hat versucht, die Situation zu beruhigen, und seinem Präsidenten widersprochen. Die US-Notenbank sei nicht verantwortlich für den Kurssturz, so Mnuchin gegenüber dem US-Sender CNN. "Ich glaube nicht, dass es Neuigkeiten waren, die aus der Fed kamen, die es nicht schon vorher gab." Märkte gehen hoch und runter, so der Finanzminister.

IWF sieht Gefahr eines Handels- und Währungskrieges
Lagarde warnte außerdem vor einem Handels- und Währungskrieg, der nicht nur den federführenden Nationen, sondern auch unbeteiligten Dritten schaden würde. Der IWF hatte bereits am Dienstag in seinem Weltwirtschaftsbericht die Wachstumsprognose für die globale Wirtschaft zurückgenommen. Während noch im April mit einem Wachstum von 3,9 Prozent für die Jahre 2018 und 2019 gerechnet worden war, wurde dies nun auf 3,7 Prozent zurückgenommen. "Die Wirtschaft ist stark, aber sie ist nicht stark genug", sagte Lagarde. Die IWF-Chefin forderte auch China auf, an seinem Kurs einer Flexibilisierung des Wechselkurssystems festzuhalten. "Wir sehen mehr und mehr Länder, China eingeschlossen, die ihre Währungen freigeben", sagte sie. Der Internationale Währungsfonds unterstütze den Kurs der Regierung in Peking, die Wechselkurse flexibler zu gestalten. Die chinesische Notenbank hat den Yuan zuletzt die psychologisch wichtige Marke von 6,9 zum Dollar durchbrechen lassen, die Währung wertete daraufhin weiter ab.

Die Regierung in Peking bekräftigte zuletzt, ihre Währung nicht als Waffe im Handelsstreit mit den USA einzusetzen. Analysten verweisen jedoch darauf, dass chinesische Exportgüter bei einer schwächeren Landeswährung günstiger werden. US-Präsident Donald Trump hat der Regierung in Peking wiederholt vorgeworfen, die Währung zu manipulieren und sich so Handelsvorteile zu verschaffen.

Aber auch beim Streit um die angeblichen Wechselkurs-Manipulationen stellte sich Lagarde nicht auf die Seite Trumps. Die jüngsten Ungleichgewichte hätten viel mit dem starken Dollar zu tun, sagte sie.




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Dokument erstellt am 2018-10-11 17:42:46


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