• vom 12.10.2018, 18:05 Uhr

International


Handelskrieg

Appell zum Kompromiss




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  • China und die USA wurden am Ende der Tagung von Weltbank und Währungsfonds erneut zur Beilegung des Handelsstreits aufgerufen.

Containerhafen im chinesischen Qingdao.

Containerhafen im chinesischen Qingdao.© afp/Str Containerhafen im chinesischen Qingdao.© afp/Str

Washington/NusaDua. (wak) Wenn sich US-Präsident Donald Trump unfair behandelt fühlt, dann reagiert er bisweilen überzogen. Und von China fühlt sich Trump übervorteilt. Die Volksrepublik hat schon in seinem Wahlkampf als der Sündenbock gedient, der im Alleingang die US-amerikanische Industrie aussterben lässt.

Da die USA, Mexiko und Kanada bereits ein Freihandelsabkommen (Nafta) hatten, kündigte Trump dieses kurzerhand auf und zwang seine Nachbarn, neue Konditionen zu akzeptieren, die diese zähneknirschend annahmen. Zu eng sind schließlich die Handelsbeziehungen zwischen nordamerikanischen Staaten gewachsen.


Mit China ist das nicht so leicht. Die USA sind noch die größte Volkswirtschaft der Welt, doch China folgt auf der Ferse. Das Potenzial Pekings ist dafür ungleich größer - hat China doch eine Milliarde mehr Einwohner als die USA sowie als aufstrebendes Schwellenland noch unglaublichen Aufholbedarf.

Handelstreit kostet alleine BMW eine halbe Milliarde Euro
Und so sah Trump den einzigen Ausweg im Muskelspiel, Importe aus China mit Straf- und Vergeltungszöllen zu überziehen. China ließ das nicht auf sich sitzen und antwortete mit gleicher Münze. Inzwischen haben die neuen Zölle Waren im Wert von mehreren hundert Milliarden Dollar erreicht. Der Handelskrieg ist somit auch Top-Thema bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank auf der indonesischen Ferieninsel Bali. Jeden Tag warnten verschiedene Ökonomen eindringlich vor den Folgen. Zum Abschluss der Tagung hat auch die G20-Gruppe der führenden Industrie-und Schwellenländer aufgerufen, den Handelsstreit beizulegen. Ein Kompromiss sei nötig, weil der internationale Handel wichtig für das Wachstum und die Beschäftigung sei, erklärte der Vorsitzende der G20-Finanzminister, der Argentinier Nicolas Dujovne.

Der Autokonzern BMW lieferte ein anschauliches Beispiel, wie der Konflikt außenstehende Dritte belastet: Die Einfuhrzölle auf US-Produkte nach China kosteten dem Konzern 2018 einen Betrag von knapp 300 Millionen Euro, sagte BMW-Finanzchef Nicolas Peter der Branchenzeitung "Automobilwoche". "Wenn die Zölle 2019 bestehen bleiben, könnte das einen Gesamtjahreseffekt von einer halben Milliarde Euro bedeuten." BMW baut in den USA Geländewagen der X-Reihe, von denen 2017 mehr als 70 Prozent exportiert wurden.

Dafür sind trotz der Zölle chinesische Importe in die USA auf ein Rekordhoch angestiegen. Chinas Exportüberschuss mit den USA betrug im September 34,13 Milliarden Dollar und damit gut drei Milliarden Dollar mehr als im August, wie die chinesischen Zollbehörden am Freitag mitteilten. Seit Jahresbeginn summiert sich der Überschuss auf 225,79 Milliarden Dollar - vor einem Jahr waren es noch 196,01 Milliarden Dollar. Trump stört sich schon lange an dem hohen Defizit.

Italiens Defizitpläne verteuern die Kreditaufnahme
Trotz der Spannungen stuft das US-Finanzministerium China vorerst nicht als Währungsmanipulator ein - Peking wird immer wieder bezichtigt, seine Währung künstlich niedrig zu halten, um sich Vorteile im Export zu verschaffen. In einem internen Bericht für US-Finanzminister Steven Mnuchin seien keine derartigen Vorwürfe enthalten, berichteten Insider. China bleibe aber auf der Beobachtungsliste. Es sei möglich, dass Mnuchin die Endfassung des Berichts noch ändere, der am Montag vorgelegt wird.

Ebenfalls am Montag soll ein ganz anderer Bericht präsentiert werden. Italiens Regierung will ihren Haushaltsplan in Brüssel vorstellen. Dort wird geprüft, ob er mit den EU-Stabilitäts- und Wachstumspakt im Einklang steht. Die Europäische Kommission hatte bereits erklärt, die Regeln würden wohl verletzt.

Da es sich bei Italien um die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone handelt, ist das Verhalten in Rom auch ins Weltinteresse auf Bali gerückt Der Internationale Währungsfonds (IWF) drängte etwa mehrfach darauf, dass sich Italien an die EU-Haushaltsregeln hält. Italien sitzt auf einem Schuldenberg von 133 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Seit der Bekanntgabe der Defizitpläne verkaufen Anleger italienische Papiere. Für den Staat wird es dadurch teurer, sich Geld zu leihen.




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Dokument erstellt am 2018-10-12 18:15:41


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