Dublin. Schon seit Monaten wird Ryanair in mehreren Ländern mit Streiks überzogen, nachdem die Arbeitnehmer im Ringen um den erstmaligen Abschluss von Tarifverträgen nicht nur zunehmend selbstbewusster auftreten, sondern sich auch europaweit formiert haben. Die Gewerkschaften fordern von Europas größtem Billigflieger bessere Bezahlung für Piloten und Flugbegleiter und Verträge nach nationalem Arbeitsrecht.

Wenn es nach Ryanair-Chef Michael O’Leary geht, könnte es nun aber noch vor Weihnachten eine endgültige Einigung geben. "Es gibt eine sehr viel vernünftigere Einstellung bei den Gewerkschaften, aber auch bei uns", sagte O’Leary am Montag bei der Präsentation der jüngsten Quartalsbilanz der Billigfluggesellschaft. Dies sei auf die schwierige Lage der Branche angesichts von Überkapazitäten im Winter und den Abbau von Arbeitsplätzen durch jüngste Pleiten kleiner Fluggesellschaften zurückzuführen. "Wir erwarten in den kommenden Wochen keine weiteren Streiks, sie können aber auch nicht ausgeschlossen werden", sagte O’Leary.

Die Aussicht auf Ruhe an der Streikfront verhalf den zuletzt gerupften Ryanair-Aktien zu einem Kursanstieg um knapp vier Prozent, obwohl die Flugausfälle im Sommer, aber auch höhere Kraftstoffpreise den Gewinn im ersten Halbjahr drückten. In den vergangenen Wochen hatte die Airline in mehreren Ländern Tarifabschlüsse oder zumindest Grundsatzvereinbarungen geschlossen. Jetzt seien nur noch Deutschland und Belgien übrig, wo dies noch nicht gelungen sei, sagte O’Leary. Ein Sprecher der belgischen Gewerkschaft LBC-NVK sagte, am Donnerstag werde ein neues Angebot von Ryanair erwartet. Es könne erneut zu Streiks kommen, wenn es keinen Fortschritt gebe. Auch die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit äußerte sich skeptisch. "Aktuell sehen wir noch keinen wirklichen Fortschritt", sagte ein VC-Sprecher.

Die Streiks und höhere Kerosinkosten schlagen bereits auf die Bilanz durch: Von April bis September sank der Gewinn um sieben Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Nur noch drei von vier Flügen waren pünktlich, das ließ die Kosten für die Entschädigung von Kunden steigen. Das und Lohnerhöhungen für Piloten sowie höhere Ausgaben für die Ausbildung von Crews erhöhten die Stückkosten um sieben Prozent. Der Kostendruck von der Lohnseite wird nach Worten von O’Leary auch im kommenden Jahr anhalten. Doch werde die Produktivität nicht unter den Tarifverträgen leiden. Die Botschaft des Tages sei, dass Ryanair seine Kostenführerschaft behalte, ergänzte er. Der Billigflieger hielt mit einer Rendite von zuletzt 25 Prozent (Vorjahr 29 Prozent) seine Spitzenstellung unter den europäischen Airlines. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr hatte Ryanair Anfang Oktober bereits um zwölf Prozent gekappt auf 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro, das wäre ein Rückgang um bis zu einem Viertel gegenüber dem Vorjahr.

Laudamotion mit Verlust

Nachdem in den vergangenen Monaten mehrere kleine Fluggesellschaften aufgeben mussten, rechnet O’Leary zudem mit einer weiteren Konsolidierung der Branche. An dieser werde sich Ryanair aber nicht aktiv beteiligen, erklärte er. Von der Insolvenz der Air Berlin hatten die Iren letztlich den vom Ex-Rennfahrer Niki Lauda gegründeten Ferienflieger Niki, jetzt unter dem Namen Laudamotion unterwegs ist, abbekommen. Die Ryanair-Tochter schrieb im abgelaufenen Halbjahr 45 Millionen Euro Verlust, soll 2019 aber schwarze Zahlen schaffen.