Frankfurt/Wien. (apa/reuters) Beim diesjährigen Banken-Stresstest der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) haben die beiden österreichischen Geldinstitute, die Erste Group und Raiffeisen Bank International (RBI), recht unterschiedlich abgeschlossen. Trotz höherer Kapitalquoten liegen sie im Vergleich mit den anderen EU-Banken auch nach wie vor unter dem Durchschnitt.

Die Erste Group musste unter der Annahme eines harten Stress-Szenarios deutlich stärker Federn lassen als die RBI. Während die Kernkapitalquote der Erste in diesem Fall hypothetisch bis 2020 um 4,4 Prozentpunkte auf 8,5 Prozent sinken würde, wären des bei der RBI 3,0 Prozentpunkte auf 9,7 Prozent. Beide Institute landen damit aber unter dem Eurozonen-Schnitt von 9,9 Prozent. Gegenüber dem letzten Stresstest konnten sich aber sowohl Erste als auch RBI verbessern. 2016 fiel die Erste-Kernkapitalquote unter Stress auf 8,02 Prozent, die RBI landete sogar nur bei 6,1 Prozent.

Während die RBI sich zufrieden zeigt, wollte Erste Group-Chef Andreas Treichl das Ergebnis bloß "zur Kenntnis" nehmen.

Da Erste und RBI trotz der Verbesserung unter dem EU-Schnitt landeten, forderten die beiden FMA-Vorstände Klaus Kumpfmüller und Helmut Ettl am Freitagabend die Institute auf, weiterhin große Anstrengungen zu unternehmen, ihre Kapitalbasis aufzustocken. In Summe seien die Austro-Banken heute besser aufgestellt und schockresistenter als vor der Krise.

Die Bank Austria wurde als drittes österreichisches Institut indirekt über die italienische UniCredit erfasst. Der Kernkapitalquote ging unter Stressbedingungen von 13,73 auf 9,34 Prozent zurück.

Hartes Stressszenario

Das von der EBA dem Test zugrunde gelegte hypothetische Stressszanario war hart: Es simulierte einen starken Einbruch des Wirtschaftswachstums, negative Entwicklungen der Wechselkurse sowie der Hauspreise und - was insbesondere für die österreichischen Banken relevant ist - sehr pessimistische Annahmen über die wirtschaftlichen Entwicklungen in den meisten zentral-, ost- und südosteuropäischen Staaten. Die Stressannahmen belasteten überdies einlagenstarke Institute überdurchschnittlich hart, betonte die FMA.

Nach Ansicht von Philipp Wackerback, Bankenexperte bei PwC, fielen die Ergebnisse europaweit nur wenig schlechter aus als beim Stresstest 2016, obwohl das Krisenszenario dieses Mal deutlich härter war. "An einzelne europäische Banken dürften die Regulatoren dennoch herantreten und eine Kapitalstärkung oder einen Risikoabbau verlangen."