• vom 05.06.2012, 18:45 Uhr

International

Update: 07.06.2012, 12:21 Uhr

Ukraine

Allerhöchste Eisenbahn bei EM-Gastgeber Ukraine




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Der Osteuropa-Experte des Freiburger Reisebüros kennt auch die Gründe für den Ansturm. "99 Prozent der Leute, die Tickets für die EM bestellt haben, sind keine passionierten Bahnfahrer. Sie machen es aus der Not heraus, weil die Reise mit dem Auto weit und mit dem Flugzeug sehr teuer ist." Durch Verträge mit zahlreichen Eisenbahngesellschaften in Europa verfügt Gleisnost über einen direkten Zugang zu den jeweiligen Buchungssystemen und kann Zugtickets mit einem Aufschlag direkt an den Kunden ausstellen. Zum unfreiwilligen Antreiber der Auftragslage avancierte die ukrainische Eisenbahn. Zwar wurden im Vorfeld der EM knapp 700 Millionen Euro in die Verbesserung der Infrastruktur investiert, der Großteil davon für neue Hochgeschwindigkeitszüge aus Tschechien und Südkorea. Für eine Website mit einem stabilen Online-Buchungssystem hat es aber nicht gereicht.

Schneller, aber teurer
Wer sein Ticket mit einer ausländischen Kreditkarte bezahlen wollte, war bei Ukrzaliznytsia zum Scheitern verurteilt. Dass die finale Fehlermeldung nur in Kyrillisch aufschien, machte den Frust nicht kleiner. Der Nachfrage aus der Ukraine tat das keinen Abbruch. Nach Inbetriebnahme der ersten Hochgeschwindigkeitszüge Mitte Mai, die Fahrzeiten zwischen den EM-Orten um ein Drittel drücken, wurden binnen weniger Tage über 10.000 Fahrkarten abgesetzt.

Für landesweite Aufregung sorgte jedoch die Streichung billiger Nachtverbindungen, die mit den neuen Fahrplänen einherging - selbst regierungstreue Medien übten heftige Kritik. Infrastrukturminister Boris Kolesnikow wies einen Zusammenhang mit den Hochgeschwindigkeitszügen von sich: "Das hat nichts mit den Hyundai-Zügen zu tun. Die alten Zuggarnituren waren teilweise in einem schrecklich mitgenommenen Zustand. Wir mussten sie aus dem Verkehr ziehen." In der Tat verfügt die ukrainische Eisenbahn über rund 7000 Waggons, von denen 95 Prozent noch zu Zeiten der Sowjetunion angeschafft wurden.

Die Aufregung der Leute ist dennoch verständlich. Denn die neuen Züge sind nicht nur schneller, sondern auch deutlich teurer als ihre Vorgänger. "Die Stimmung wird sich ändern, wenn im Sommer weitere Garnituren geliefert und die Verbindungen nach Odessa und Dnipropetrowsk ausgebaut werden", sagt Eugen Schabliowski vom Pressebüro von Ukrzaliznytsia. Für die EM erwartet er einen Härtetest für das Bahnnetz. "Die Züge werden absolut voll sein. Wir haben sehr viele Anfragen von ausländischen Fans, die über ukrainische Reisebüros an uns herantreten. Die Passagierabteilung arbeitet mit Hochdruck daran, zusätzliche Wagen und Verbindungen zu ermöglichen."

Pannen wie jene vom 27. Mai sollten sich dann aber nicht wiederholen. An diesem Sonntag verließ der Abendzug nach Kiew nämlich fast eine Stunde früher als geplant den Bahnhof von Donezk. Die Fahrplanänderung wurde nur kurzfristig angekündigt. Laut der Zeitung "Novosti Donbassa" waren die Waggons fast leer.

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Dokument erstellt am 2012-06-05 18:02:08
Letzte Änderung am 2012-06-07 12:21:57


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