• vom 05.11.2018, 22:31 Uhr

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Mehr als 10.000 Privatkonkurse im ersten Jahr




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  • Ansturm auf Privatkonkursgerichte durch neuen Privatkonkurs.

Wien. Im ersten Jahr des neuen Privatkonkurses haben mehr als 10.000 Menschen in Österreich Insolvenz angemeldet. Im Zeitraum von 1. November 2017 bis 31. Oktober 2018 beantragten somit pro Woche rund 195 Menschen Privatkonkurs, so der Alpenländische Kreditorenverband (AKV). Für die nächsten Monate rechnen die Gläubigerschützer mit einer Abflachung des Anstiegs.

"Der neue Privatkonkurs hat einen noch nie dagewesenen Ansturm auf die Privatkonkursgerichte gebracht", so AKV-Geschäftsführer Hans Musser zur APA. In den ersten zwölf Monaten mit den neuen Regeln sei die Zahl der Privatkonkurse gegenüber dem Vergleichszeitraum laut AKV um die Hälfte (rund 53 Prozent) gewachsen. Seit dem heurigen Jänner betrage das Plus sogar fast 60 Prozent.


Der Ansturm ist wohl darauf zurückzuführen, dass neue Personengruppen den Schritt in die Privatinsolvenz einfacher gehen können. Nach dem Entfall der zehnprozentigen Mindestquote nehmen vermehrt einkommensschwache Schuldner mit relativ geringen Verbindlichkeiten und vormalige Unternehmer mit sehr hohen Verbindlichkeiten aus ihrer gescheiterten Selbstständigkeit das neue Insolvenzrecht in Anspruch.

Die hohen Schulden der früheren Unternehmer haben dazu geführt, dass sich die Gesamtpassiva zuletzt mehr als verdoppelt haben. Die Gesamtverbindlichkeiten liegen bei 1,6 Milliarden Euro. "Das ist ein in der Vergangenheit noch nie erreichter Wert", so Musser. In den ersten zehn Monaten heuer betragen die Gesamtpassiva der österreichweit eröffneten Privatkonkurse gut 1,4 Milliarden Euro. Davon entfallen gut 1,1 Milliarden Euro auf männliche Schuldner.

Die durchschnittliche Verschuldung der Menschen im Privatkonkurs hat sich von rund 112.000 auf 167.000 Euro erhöht. Bei den Männern - auf die knapp zwei Drittel der Verfahren entfallen - sind es durchschnittlich sogar fast 208.000 Euro.

Von den 10.114 Verfahren seien bereits 5814 abgeschlossen, so der AKV. Gut zwei Drittel der abgeschlossenen Verfahren (3907) endeten mit einem Zahlungsplan. Trotz der neuen rechtlichen Möglichkeit eines nullprozentigen Zahlungsplans bieten fast alle Schuldner mit nicht pfändbarem Einkommen dennoch Zahlungspläne mit Quoten an, sodass der Nullprozent-Plan Theorie geblieben ist. "Auch im Rahmen der neuen Rechtslage zeichnet sich ab, dass der Zahlungsplan das primäre Entschuldungsinstrumentarium bleiben wird", sagt Musser. Weiterhin bieten in fast allen Verfahren Schuldner im Rahmen eines vorgelagerten Zahlungsplans den Gläubigern eine Quote an, die auch bei einem nicht pfändbaren Einkommen zumindest den monatlichen Treuhändervergütungen in einem möglichen Abschöpfungsverfahren entsprechen, weil diese bei Ablehnung des Zahlungsplans jedenfalls zu entrichten wären.

Rund ein Drittel in Wien
Lehnt ein Gläubiger einen Zahlungsplan ab, kommt es zu einem auf fünf Jahre verkürzten Abschöpfungsverfahren, in dem ein Treuhänder die pfändbaren Bezugsteile einhebt und an die Gläubiger verteilt. Wenn keine Obliegenheitsverletzungen geschehen, ist der Schuldner nach Ablauf der fünf Jahre in der Regel von seiner Restschuld befreit.

Rund ein Drittel der Privatkonkurse in den vergangenen zwölf Monaten wurde in Wien abgewickelt. Den höchsten relativen Zuwachs von 150 Prozent gab es im Burgenland. In Salzburg gab es mit knapp 25 Prozent den geringsten relativen Zuwachs.




Schlagwörter

Österreich, Privatkonkurs

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Dokument erstellt am 2018-11-05 18:01:04


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