• vom 08.11.2018, 15:38 Uhr

Österreich

Update: 08.11.2018, 16:04 Uhr

Halbleiterindustrie

Leuchtturm im Jammertal




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Von Wolfgang Liu Kuhn

  • Infineon steckt 1,6 Milliarden in den Standort Villach. Es ist die größte Industrie-Investition in Österreich.

- © Infineon

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Villach. Mit Partnerschaften kennt sich Günther Albel aus. Immerhin war der Bürgermeister von Villach in seiner Heimatstadt einst als Standesbeamter für die Trauungen zuständig. Zuvor jobbte er als Schüler in den Ferien regelmäßig bei Infineon. Wenn er am Samstag im Beisein der hohen Politik den Spatenstich für das neue Chip-Werk in Villach feiert, schließt sich im gewissen Sinne ein Kreis. Denn Albel weiß, dass diese Partnerschaft für Villach und Kärnten eine immense Bedeutung hat. Es ist die größte Industrie-Investition, die Österreich je gesehen hat, und gerade im strukturschwachen Kärnten ist das Hightech-Unternehmen eine Art Lebensversicherung.

Einen dementsprechend großen Bahnhof erwartet sich die Stadt bei der Feier zum Spatenstich am Samstag: Angekündigt haben sich unter anderem Mariya Gabriel, EU-Kommissarin für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), die Minister Margarete Schramböck (ÖVP) und Norbert Hofer (FPÖ) sowie Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) mit Infineon-Konzernchef Reinhard Ploss und Österreich-Chefin Sabine Herlitschka.


750 neue Jobs geplant
Zu feiern gibt es einiges, denn Infineon investiert über einen Zeitraum von sechs Jahren 1,6 Milliarden Euro in die neue Produktion, sie soll nichts weniger als das modernste Chip-Werk der Welt werden. Villach festigt somit seine Position als das Kompetenzzentrum des Konzerns für besonders leistungsstarke Halbleiter auf 300-Millimeter-Dünnwafern. Mit den Bauarbeiten soll Anfang 2019 begonnen werden; wenn die Fertigung 2021 anläuft, soll ein zusätzlicher Umsatz von 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet werden. Insgesamt sollen 750 neue Arbeitsplätze entstehen, 400 in der Produktion und 350 in der Forschung und Entwicklung. Die Sogwirkung am Arbeitsmarkt ist bereits jetzt enorm, Bauherrin Herlitschka berichtet von 15.000 Bewerber-Profilen, die in den vergangenen Monaten eingegangen seien.

Die Suche nach qualifiziertem Personal stellt auch Kärntens Landespolitik vor einige Bildungsaufgaben, denn die Arbeit der künftigen Spezialisten mutet einigermaßen futuristisch an. Hinter dicken Scheiben arbeiten etwa die "Work Area Controller", die in weißen Ganzkörperanzügen wie Astronauten wirken. Sie müssen eine spezielle Luftschleuse durchlaufen, denn in die Reinräume darf nicht das kleinste Staubkorn eindringen, was die hochsensible Fertigung der Halbleiter stören könnte. Die Produktion selbst läuft größtenteils automatisch, lautlos fahren Roboter hin und her und transportieren kleine Kisten, nicht größer als ein Schuhkarton. Die darin enthaltenen Spezialchips können einen Wert von 10.000 Euro deutlich übersteigen. Geliefert werden die Halbleiter an Hersteller von Windrädern, Smartphones, Großrechnern, Elektroautos, Industrieanlagen oder an Unternehmen wie Tesla, Audi oder Apple.

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Dokument erstellt am 2018-11-08 15:49:11
Letzte Änderung am 2018-11-08 16:04:58


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