Kärntens größter Arbeitgeber

Bereits jetzt ist Infineon der mit Abstand größte private Arbeitgeber in Kärnten, Landeshauptmann Kaiser und die Stadtpolitik haben daher gute Gründe, in Vorleistungen zu gehen. Gesorgt wird für Kindergärten, eine internationale Schule, Radwege, Straßen und Wohnungen. Mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von zuletzt 33.300 Euro liegt Österreichs südlichstes Bundesland im innenösterreichischen Ländervergleich an drittletzter Stelle, wofür vor allem die verhältnismäßig geringe Industrialisierung verantwortlich ist. Die Entscheidung von Infineon für Kärnten mag daher für Beobachter überraschend kommen, doch Konzernchef Ploss ist vom Standort Villach überzeugt. Einer der Hauptaspekte für die Entscheidung sei gewesen, wo die neue Fertigung am schnellsten hochgefahren werden könnte. Beim derzeitig hohen Bedarf zähle praktisch jeder Tag.

Als Konkurrenten für Villach galten bei der Standortvergabe Destinationen in Asien, insbesondere Malaysia. Aber: "Wir wollen unsere Schlüsseltechnologie sehr gut unter Kontrolle haben, und das ist in Europa gewährleistet, in anderen Regionen dagegen nicht unbedingt", so Österreich-Chefin Herlitschka. Die Technologie mit großen Siliziumscheiben, aus denen leistungsfähigere Halbleiter hergestellt werden, wurde weitgehend in Villach entwickelt, Infineon ist auf dem Gebiet weltweit führend. Es besteht also eine gewisse Sorge, dass in Ländern wie etwa China dieser sensible Vorsprung verloren gehen könne.

Produktion soll 2021 starten

Laut Herlitschka legten auch die Kunden selbst darauf Wert, dass das neue Werk in Europa gebaut wird: "Unsere Kunden wünschen sich eine zweite Quelle, also einen weiteren Standort." Spezielle Förderungen hätten hingegen keinen Ausschlag gegeben: "Wir werden uns um die gesetzlich mögliche Forschungsprämie bewerben. Subventionen lassen die EU-Wettbewerbsregeln nicht zu", so Herlitschka. "Wir müssen aber für die Zukunft für den Standort Europa darüber die Diskussion führen. In den USA und Asien gibt es ganz andere Investitionsprogramme."

Im Rahmen der Möglichkeiten sind Österreich und Kärnten sehr daran interessiert, das zarte Pflänzchen dieser Partnerschaft zu hegen und zu pflegen. So hat Landeshauptmann Kaiser extra eine kleine Gruppe von Mitarbeitern eingesetzt, diese Infineon-Taskforce trifft sich im Abstand weniger Wochen, um alle Probleme zu besprechen und auf dem kurzen Weg zu regeln. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei zudem gut, die Genehmigungsprozesse seien grundsätzlich schnell, lobt Herlitschka. Noch gebe es allerdings einige Probleme, die vor allem den Verkehr betreffen. Schon jetzt sei die Zufahrt zum Werk regelmäßig überlastet. Ein neunstöckiges Parkhaus für die Mitarbeiter wird daher bereits hochgezogen.

Bis zum Produktionsbeginn 2021 erwartet die Infineon-Chefin auch die vollendete Anbindung an die lange Zeit blockierte 110-Kilovolt-Leitung der Kelag. "Wir beachten in der Produktion selbst die Themen, auf die unsere Produkte global abzielen: Energieeffizienz, Sicherheit, Mobilität und Daten." Und so wird Villachs Bürgermeister Albel (SPÖ) bei der Spatenstich-Feier mit Sicherheit unter Strom stehen. Er weiß: Die Investition des Konzerns entspricht dem achtfachen Villacher Haushaltsbudget.