• vom 09.11.2018, 17:38 Uhr

Österreich

Update: 09.11.2018, 18:02 Uhr

Metaller

Welches Lohnplus gerechtfertigt ist




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Von Rosa Eder-Kornfeld, Martina Madner, Jan M. Marchart

  • Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter ziehen unterschiedliche Werte für Produktivität heran.



Die Gewerkschafter Karl Dürtscher (GPA-djp, l.) und Rainer Wimmer (ProGe).

Die Gewerkschafter Karl Dürtscher (GPA-djp, l.) und Rainer Wimmer (ProGe).© apa/R. Jäger Die Gewerkschafter Karl Dürtscher (GPA-djp, l.) und Rainer Wimmer (ProGe).© apa/R. Jäger

Wien. Bei den Metallern stehen die Zeichen also auf Streik: "Das, was in der Nacht passiert ist, geht wirklich nicht. Wir brauchen einen ordentlichen KV-Abschluss", sagt Christoph Scheiber, Angestelltenbetriebsratsvorsitzender beim Werkstoffhersteller Plansee, der für die Gewerkschaft im Verhandlungsteam sitzt. "Dass es Warnstreiks geben wird, davon müssen wir österreichweit ausgehen." Wann und in welchem Ausmaß bei Plansee gestreikt werde, sei noch offen, aber: "Es wird auch bei uns etwas gemacht werden."

Auch Opel-Betriebsratsvorsitzende und Aufsichtsrätin Renate Blauensteiner, deren Fachverband der Fahrzeugindustrie zwar extra verhandelt, aber auf den Zusammenhalt aller Metaller pocht, steht in den Startlöchern: "Wir werden Informationsveranstaltungen machen, auch Warnstreiks besprechen. Wir lassen uns nicht an der Nase herumführen, wollen mit Respekt behandelt werden und vernünftig miteinander reden."

Genau das schien in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag nicht mehr möglich. Die Positionen im Moment sind verhärtet. Die Gewerkschaften fordern weiterhin 5 Prozent Lohn- und Gehaltsplus, das Gegenüber besserte telefonisch zuletzt von 2 auf 2,7 Prozent nach. "Wir waren der Meinung, unser Abgebot ist fair", sagte der Sprecher der Metalltechnischen Industrie, Christian Knill. "Wir fühlen uns von den Arbeitgebern nicht ernstgenommen", dagegen ProGe-Chef Rainer Wimmer. Die Frage, was fair ist, bleibt also offen.

Fünf Prozent sind genauso wie 2,7 Prozent argumentierbar

Der Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny ließ sich kürzlich zur Einschätzung hinreißen, dass eine fünfprozentige Lohnerhöhung für die Metaller "nicht besonders überschießend" sei. Das Wachstum liege bei ungefähr drei, die Inflation bei rund zwei Prozent. Anhand dieser Daten sei die reine Forderung grundsätzlich möglich, wohlwissend, dass der Berufsstand das Optimum nicht bekommen wird. "Nowotnys Worte waren aber nicht als Signal an die Wirtschaft gedacht", sagt ein Sprecher der Nationalbank, im Gegenteil, Lohnverhandlungen seien Sache der Sozialpartner.

Das sieht auch Wifo-Arbeitsmarkt- und Einkommensexperte Thomas Leoni so. Er sagt aber auch: "Gerecht wäre eine Abgeltung des Produktivitätsfortschritts und der Inflation."

Laut Wifo-Prognose liegt der Produktivitätszuwachs pro Stunde quer über alle Wirtschaftsbereiche hinweg 2018 bei 0,7 Prozent, die Inflation voraussichtlich bei 2,1 Prozent. "So blieben sowohl die Lohnquote als auch Lohnstückkosten im Rahmen", sagt Leoni. Wenn die Beschäftigten aller Branchen ein Lohnplus dieser Art erhielten, würden Lohnunterschiede nicht größer und es blieben Investitionsspielräume, "also für eine Strukturpeitsche."

Die Realität sieht allerdings anders aus: Lohnverhandlungen mildern ein stark brummendes Wachstum einer Branche ab, in Krisenzeiten gibt es ein höheres und nicht nur dem Wirtschaftswachstum entsprechendes Plus - und das macht auch Sinn, "sonst hätten die Löhne der Metaller während der Wirtschaftskrise sinken müssen", sagt Leoni.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-09 17:49:17
Letzte Änderung am 2018-11-09 18:02:27


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