Wien. (dg) Wer mit Erdöl heizt, kommt aktuell am teuersten weg, zumindest in Ein- und Zweifamilienhäusern. Das geht aus dem aktuellen Vollkostenvergleich der Energieagentur hervor. Am günstigsten ist demnach das Heizen mit Wärmepumpe, vor allem in sanierten Häusern und im Neubau. In unsanierten Gebäuden ist Heizen insgesamt fast doppelt so teuer.

Dass Ölheizungen derzeit keine gute Investition sind, liegt am Ölpreis. Dieser ist im November um fast ein Drittel (32 Prozent) teurer als vor einem Jahr. Kein anderer Energierohstoff hat in den vergangenen zehn Jahren so starke Preisschwankungen durchlebt wie Erdöl. Die Schwankungen wiederum sind auf geopolitische Konflikte, Sanktionen wie zum Beispiel gegen den Iran, und der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren zurückzuführen. "Der Erdölpreis ist unberechenbar. Es ist nicht vorhersehbar, wohin sich der Trend entwickelt", sagt Peter Traupmann, Geschäftsführer der Energieagentur, am Montag vor Journalisten.

Empfehlenswert sei, sich mit Systemen, die eine konstante Entwicklung aus der Vergangenheit zeigten, zu beschäftigen. Diese seien berechenbar, und man könne in etwa abschätzen, wie viel das Heizen in den nächsten Jahren kosten werde. Was den Neubau angeht, sind Wärmepumpen aber auch Fernwärme derzeit im Trend. Laut Statistik Austria gab es 2016 rund 3,8 Millionen Heizungen. Davon entfiel mehr als ein Viertel auf Fernwärme und ein Viertel auf Erdgas. 17 Prozent der Heizungen sind Biomasseanlagen, 16 werden mit Heizöl betrieben und 9 Prozent mit Umgebungswärme.

Laut Bericht betragen die jährlichen Kosten inklusive Investitionskosten bei Wärmepumpen 2063 Euro. Bei Ölheizungen zahlt man 2847 Euro pro Jahr. Im unsanierten Bereich ist übrigens das Heizen mit Stückholz am günstigsten, das kostet nicht ganz 4000 Euro pro Jahr. Die Ölheizung kostet hier gut 5500 Euro.

Fernwärme in Städten

Für den aktuellen Heizkostenvergleich hat die Energieagentur ein durchschnittliches Einfamilienhaus von 118 Quadratmeter herangezogen, das jeweils unsaniert, thermisch saniert oder neu gebaut wurde. Laut Statistik Austria sind vier von fünf Wohnhäusern in Österreich Ein- oder Zweifamilienhäuser. Die Ergebnisse ließen sich jedoch auch auf Mehrparteienhäuser umlegen, meint Traupmann. In Städten seien zentrale, hocheffiziente Heizsysteme in der Regel günstiger als Einzelheizsysteme. Fernwärme sei eine vernünftige Alternative, vor allem wenn sie mit erneuerbaren Energieträgern betrieben werde. Zum Thema Feinstaub bei Holzheizungen verwies Traupmann darauf, dass neue Anlagen mit einer relativ guten Verbrennungsleistung und Filtern ausgestattet seien.

Von der Energieagentur untersucht wurde auch die von der Regierung im Rahmen der neuen Klimastrategie beschlossene "Raus aus Öl-Förderung". Diese beträgt 5000 Euro und wird in Zusammenhang mit thermischen Sanierungsmaßnahmen ausgezahlt. Laut Umweltministerium wurden bisher 4378 Anträge von Privaten mit einem Förderwert von 20,4 Millionen Euro eingebracht. "Von Betrieben wurden bislang 145 Projekte eingereicht, davon wurden 20 genehmigt und 113 sind in Bearbeitung", sagt Ministeriumssprecher Daniel Kosak auf Nachfrage.

Eine Sanierung könne die Heizkosten um 54 Prozent senken, meint Traupmann. Er spricht sich für weitere Anreize für die Sanierung aus. Die CO2-Emissionen sind laut Energieagentur im Vergleich saniert zu unsaniert durchschnittlich ebenfalls um mehr als 50 Prozent geringer. Dafür brauche es aber eine Änderung im Mietrechts- und Wohnungseigentumsgesetz. Investoren sollten etwa einen Teil der erzielten Ersparnisse zurückbekommen, um Anreize etwa im Neubau zu schaffen.