Wien. (kle) Lange war das Paketgeschäft bei der Post der Wachstumsmotor schlechthin. Doch bald wird es dort mit den zweistelligen Zuwachsraten vorbei sein. Wie Generaldirektor Georg Pölzl am Donnerstag einräumte, werde der Paketbereich 2019 mit Sicherheit nur noch einstellig wachsen, "weil wir hier natürlich einen Amazon-Effekt haben werden". Der Internet-Handelsriese Amazon hat Anfang Oktober begonnen, Pakete in Wien selber zuzustellen. Damit verliert die Post einen Teil ihres bisherigen Geschäfts. Pölzl betonte aber, dass Amazon weiterhin der größte Kunde bleibe, auch wenn die Post nun im Wettbewerb mit dem Online-Versandhändler stehe.

Von Jänner bis September - in den ersten drei Quartalen - wuchs die Paketsparte der Post um 11,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2018 erwartet Pölzl ein Plus von zehn Prozent (zum Vergleich: 2017 lag die Zuwachsrate noch bei 20 Prozent). Für 2019 rechnet er mit einem Paketwachstum "im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich". Anhaltend schwierig läuft es unterdessen im Geschäft mit Briefen und Werbepost. Dieses ist in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 2,6 Prozent weiter geschrumpft.

Alles in allem stieg der Umsatz in diesem Zeitraum moderat - um 0,8 Prozent auf rund 1,42 Milliarden Euro. Verdient hat die Post bis Ende September fast so viel wie in den ersten drei Quartalen des Vorjahres: Unter dem Strich - netto - stand im Konzern ein Gewinn von 105,3 (nach 105,9) Millionen Euro zu Buche.

Was das Filialnetz betrifft, ist der teilstaatliche Konzern gerade dabei, seine Vertriebskooperation mit dem bisherigen Bankpartner Bawag aufzulösen. In ihren Filialen will die Post den Kunden aber auch künftig Finanzdienstleistungen anbieten. Deshalb ist geplant, zusammen mit der deutschen Fintech Group eine eigene Bank zu gründen.

Aktienkurs unter Druck

Gemeinsam arbeite man derzeit intensiv an der Vorbereitung für die Bank, sagte Pölzl. Eine Banklizenz habe man noch nicht, das werde noch dauern. Mit der neuen Bank losstarten will der Post-Chef jedenfalls schon zur Jahresmitte 2019.

An der Wiener Börse fiel die Post-Aktie am Donnerstag um bis zu 3,3 Prozent auf 35,00 Euro. Derart starke Kursrückgänge sind bei der Post eher selten.