Wien. Börsengänge in Wien sind selten. In den vergangenen zehn Jahren gab es gerade einmal eine Handvoll. Der letzte Börsengang, jener der Bawag, ist auch schon wieder seit gut einem Jahr her. Doch nun winkt dem heimischen Aktienmarkt mit der Biotech-Firma Marinomed ein weiterer Neuzugang. Am Freitag kündigte das noch relativ kleine Wiener Unternehmen an, dass es seinen Börsengang mit Beginn der kommenden Woche starten wolle.

Geplant ist, im Rahmen einer Kapitalerhöhung bis zu 400.000 neue Aktien zu einem Stückpreis von 75 bis 90 Euro zu verkaufen. Damit sollen 30 bis 36 Millionen Euro in die Kassa von Marinomed fließen. Im besten Fall könnten es sogar fast 50 Millionen Euro sein, da bei entsprechend guter Aktiennachfrage zwei Aufstockungsoptionen vorgesehen sind.

Frisches Geld für Forschung

Die Zeichnungsfrist läuft vom 19. bis 29. November. Gemanagt wird der Aktienverkauf von den Investmentbankern der Erste Group. Der Ausgabepreis für die Marinomed-Aktie soll am 29. November fixiert werden, der erste Handelstag an der Wiener Börse soll der 4. Dezember sein. Im Übrigen will die Marinomed Biotech AG, so ihr voller Name, dort gleich im "Prime Market", dem obersten Handelssegment, gelistet sein.

Spezialisiert ist die vor zwölf Jahren gegründete Firma, die zuletzt rund 30 Mitarbeiter beschäftigte und einen Jahresumsatz von knapp fünf Millionen Euro hatte, auf Atemwegs- und Augenerkrankungen. Der von ihr entwickelte Wirkstoff Carragelose kommt etwa in Nasensprays und Lutschpastillen zur Anwendung.

Mit dem Erlös aus dem Börsegang möchte Firmengründer und -chef Andreas Grassauer vor allem die Entwicklung weiterer biopharmazeutischer Produkte finanzieren. Da die Biotech-Branche als sehr forschungsintensiv gilt, besteht immer wieder Bedarf an frischem Kapital.

Ihre Produkte lässt Marinomed von externen Produzenten herstellen, wie Grassauer, ein Virologe, am Freitag vor Journalisten erklärte. Verkauft werden sie dann über Vertriebspartner und Lizenzen - in über 30 Ländern weltweit. Gewinne schreibt die Firma vorerst noch keine. 2017 fiel ein Netto-Verlust von 2,38 Millionen Euro an, nach einem Minus von 1,96 Millionen im Jahr davor.

Saudischer Kernaktionär

Gelingt der Börsengang, müssen Anleger auf eine sehr volatile Entwicklung des Aktienkurses gefasst sein - wie bei Biotech-Titeln üblich. Wie aus einer Firmenbroschüre hervorgeht, dürfen sie sich bis auf Weiteres auch keine Dividende erwarten.

Größter Aktionär von Marinomed ist mit 33,3 Prozent die Acropora Beteiligungs GmbH, hinter der Saudis stehen. Gründer Grassauer hält 12,8 Prozent.