• vom 06.12.2018, 19:48 Uhr

Österreich

Update: 07.12.2018, 07:45 Uhr

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Am Konjunkturhimmel ziehen mehr Wolken auf




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  • Österreichs Wirtschaftswachstum verliert an Fahrt, weil die Exporte schwächeln.

- © apa/Hans Klaus Techt

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Wien. (kle) Nicht nur global, sondern auch hierzulande kühlt sich die Konjunktur inzwischen ab. Im heurigen Frühjahr hat sie den Höhepunkt erreicht, seither verliert sie rund um den Erdball an Fahrt. Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der Bank Austria, schätzt, dass das bis 2020 so bleibt. Da werde die globale Konjunktur dann den Tiefpunkt erreichen - mit einer milden und kurzen Rezession in den USA zur Jahresmitte. Laut Bruckbauer wird sich Österreich dieser Entwicklung nicht entziehen können. Zu sehr drücken die USA der Weltwirtschaft derzeit ihren Stempel auf - durch eine bereits laufende Verschärfung ihrer Geldpolitik, durch einen sich abzeichnenden Konjunkturabschwung im eigenen Land und durch ihre zunehmend protektionistische Handelspolitik, wie der Ökonom erklärt.

Für Österreich und das bald zu Ende gehende Jahr 2018 erwartet sein Kollege, Walter Pudschedl, indes eine moderate Beschleunigung des Wachstums von 2,6 Prozent (2017) auf 2,7 Prozent aus. "Der schwungvolle globale Handel hat die heimischen Exporte beflügelt", fügt er hinzu. "Zusammen mit der Binnenkonjunktur, die von einer nach wie vor sehr kräftigen Investitionstätigkeit und von der höchsten Konsumdynamik seit einem Jahrzehnt angetrieben wird, hat das zum höchsten BIP-Anstieg seit der Erholung im Jahr 2011 unmittelbar nach der Finanzkrise geführt."


Binnennachfrage stützt
Seit dem konjunkturellen Höhepunkt im Frühjahr habe sich das Wachstumstempo aber auch in Österreich spürbar verlangsamt, so Pudschedl. "Die Verunsicherung durch die protektionistische US-Handelspolitik hat sich auf die Exportstimmung geschlagen, worunter die Investitionsdynamik zu leiden begann." Nur der private Konsum habe - gestützt auf die hohe Beschäftigungszunahme sowie reale Lohnsteigerungen - anhaltend Stärke gezeigt.

Die heimische Exportwirtschaft sehen die Bank-Austria-Ökonomen vor dem Hintergrund eines sich abschwächenden Wachstums der Weltwirtschaft, das sich zunächst in den Schwellenländern zeigen dürfte und bis 2020 auf 2,7 Prozent zurückgehen könnte - vor "steigenden Herausforderungen". Nach ihrer Einschätzung wird die Inlandsnachfrage aber auch künftig die treibende Kraft der österreichischen Wirtschaft sein. Der private Konsum werde 2019 und 2020 demnach eine entscheidende Rolle beim Abfedern ungünstiger externer Einflüsse auf die heimische Konjunktur übernehmen, so Bruckbauer und Pudschedl am Donnerstag bei der Präsentation ihrer Prognosen.

Geht es nach ihnen, wird sich die österreichische Wirtschaft in den kommenden zwei Jahren besser entwickeln als die Eurozone und Deutschland. Für 2019 rechnen sie mit einer Wachstumsrate von knapp zwei Prozent, für 2020 prognostizieren sie ein BIP-Plus von 1,5 Prozent. Wie Pudschedl dazu anmerkt, werde das heimische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im kommenden Jahr erstmals die 400-Milliarden-Euro-Marke überschreiten. Österreich dürfte damit im globalen Ranking auf Rang 27 vorrücken und den Iran, der mit 80 Millionen Einwohnern fast die zehnfache Bevölkerung aufweist, hinter sich lassen.

Zinstief hält wohl weiter an
Die Konjunktur im Euroraum beurteilt Bruckbauer als vorerst weiterhin gut - auch wenn das Wirtschaftswachstum von 2,0 Prozent im heurigen Jahr auf 1,7 Prozent 2019 abnehmen werde. Ein spürbares Durchschlagen der globalen Abschwächung auf Europas Wirtschaft erwartet der Ökonom erst für 2020. Da sieht er dann nur noch ein Plus von 1,1 Prozent. Inflationsdruck werde sich im Euroraum - und in Österreich - daher kaum aufbauen. Vor allem auch mit Blick auf die nachlassende Konjunktur könnte das bedeuten, dass sich für die Europäische Zentralbank das Zeitfenster zur Normalisierung der Geldpolitik rasch wieder schließt. "Die Phase niedriger Zinsen wird somit in Europa voraussichtlich noch längere Zeit bestehen bleiben", meint Bruckbauer.

Als Risiken für seine Konjunkturprognosen nennt der Chefökonom der Bank Austria vor allem die schwer abschätzbaren Auswirkungen des Brexit, den Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die Möglichkeit einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft nach einer zu starken Kreditausweitung.




Schlagwörter

Österreich, Konjunktur

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-12-06 19:58:45
Letzte Änderung am 2018-12-07 07:45:37


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