• vom 11.12.2018, 19:20 Uhr

Österreich


Payment

Wie wir in Zukunft bezahlen können sollen




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Von Gregor Kucera

  • Der Start von Apple Pay in Deutschland bringt im Weihnachtsgeschäft neue Bezahlmethoden. Das Smartphone wird zur Geldbörse und große Konzerne attackieren die Banken. Ein Überblick.

Wer mit Apple Pay oder auch Google Pay mobil bezahlen will, muss sein Smartphone an einem NFC-fähigen Kassenterminal halten. In einer App musseine Debit-oder Kreditkarte hinterlegt sein. - © APAweb/REUTERS, Maxim Zmeyey

Wer mit Apple Pay oder auch Google Pay mobil bezahlen will, muss sein Smartphone an einem NFC-fähigen Kassenterminal halten. In einer App musseine Debit-oder Kreditkarte hinterlegt sein. © APAweb/REUTERS, Maxim Zmeyey

Grundsätzlich stellen sich beim Weihnachtseinkauf meist zwei Fragen: Wer soll das bezahlen? und Wie soll man bezahlen? Im stationären Handel wird immerhin auch noch Bargeld akzeptiert, doch der Einsatz von Bankomat- oder Kreditkarten nimmt auch in Österreich stetig zu.

Das Plastikgeld ist schon seit einiger Zeit "intelligenter", wer will zahlt mittels Auflegen. Ein Chip überträgt dabei drahtlos die Information und nach der Eingabe seines PIN-Codes (unter 25 Euro auch ohne Code) wird bezahlt. Da diese so genannte NFC (Near-Field-Communication-)Technologie auf unterschiedlichen Endgeräten genutzt werden kann, muss es nicht einmal mehr eine Karte sein, auch das Smartphone wird zur Geldbörse - oder die Uhr. Alle heimischen Banken haben in ihrem Portofolio schon Applikationen für mobiles Bezahlen am Handy. Dies erklärt auch, warum in letzter Zeit immer mehr Anwender ihre Smartphones zum Bezahlterminal halten. Die größte Schwierigkeit dabei ist, dass man vor lauter unterschiedlichen Bankomatkassen nicht mehr weiß, ob und wo man seine Karte stecken, hinhalten, drüberziehen oder davorhalten soll.

Noch vielfältiger und unübersichtlicher ist hingegen der Online-Handel: hier werden mittlerweile unzählige Bezahlmöglichkeiten angeboten. Neben dem, immer noch sehr beliebten, Kauf auf Rechnung, mischen nun auch große Onlinekonzerne und Fintech-Unternehmen im Feld des mobile Payment mit den Banken mit. Der Start von Apple Pay zum Weihnachtsgeschäft in Deutschland zeigt, dass nun auch Europa für die Bezahldienste von Google, Apple und Amazon interessant und lukrativ wird.

Die Lücke füllen

Kunden, die keine Kreditkarte besitzen waren bis jetzt von vielen Angeboten im Online-Handel ausgeschlossen. Nicht jedes Unternehmen bietet die Möglichkeit auf Rechnung oder per Online-Überweisung zu kaufen an, somit mussten Amazon, Apple und Google ihre eigenen Systeme entwickeln. Die bekannten Gutscheinkarten waren der Beginn der Überlegungen. Diese ermöglichen den Einkauf in einem geschlossenen System. Nun geht es darum, die Grenzen zu überwinden und neue Geschäftsfelder zu eröffnen. Wer mit Apple Pay oder auch Google Pay mobil bezahlen will, muss sein Smartphone an einem NFC-fähigen Kassenterminal halten. In einer App muss eine Debit-oder Kreditkarte hinterlegt sein. Die in Deutschland verbreiteten Girokarten (EC-Karten) werden bisher nicht berücksichtigt. Um den Bezahlvorgang zu starten, muss sich der Einkäufer auf seinem Apple-Gerät zuvor per Fingerabdruck oder Gesichtsabgleich identifizieren.

Diese Sicherheitsvorkehrungen ersetzen dabei den PIN-Code und sind dringend notwendig: "Einer der Hauptgründe für die Zurückhaltung beim mobilen Bezahlen ist, dass die Deutschen Angst vor Datenmissbrauch haben", sagt Kirsti Dautzenberg von der Verbraucherzentrale Brandenburg, doch "es ist relativ sicher, auch wenn es immer ein Restrisiko gibt." "Uns sind bisher keine Betrugsfälle bekannt", meint dazu N26-Manager Max Schertel. Die Smartphone-Bank gehört zu den Finanzinstituten, deren Karten von Apple in Deutschland nun akzeptiert werden.

Der Nutzen

"Dem kontaktlosen Zahlen via NFC, entweder mit der bestehenden Bankkarte, dem Smartphone oder einem anderen NFC-fähigen Device, gehört die Zukunft. Bereits 2017 wurden 80,5 Prozent aller Bankomatkartentransaktionen am Point of Sale durchgeführt (+14 Prozent zum Vorjahr). 43 Prozent dieser Transaktionen im Handel waren bereits kontaktlos (+116 Prozent seit 2016). Das entspricht in Summe bereits jetzt 714 Millionen bargeldlosen Transaktionen pro Jahr", so Markus Kosche von der UniCredit Bank Austria. "Wie bei allen Services und Dienstleistungen entscheiden letztlich die Kunden, auf welche Art und Weise sie ihre Bankgeschäfte durchführen und welche Zahlungsmethoden sie wählen wollen. Als führende Multikanalbank haben wir den Zugang, unseren Kundinnen und Kunden das Beste aus allen Welten anzubieten. Das heißt, sowohl ganz traditionelle Bezahlweisen anzubieten als auch die neuesten Möglichkeiten kontaktlosen Bezahlens, sobald diese Marktreife erlangt haben und auch flächendeckend verfügbar sind", so Kosche.

Der reibungslose Ablauf

"Zukünftig wird das Einkaufs- und Bezahlerlebnis durch neue Technologien noch reibungsloser funktionieren. Dann wird für die Bezahlung – online wie offline – nicht mehr nach der Kredit- oder Bankomatkarte gesucht, sondern der Kauf einfach auf dem Smartphone, der Smartwatch oder per Sprachbefehl ausgelöst. Online-Shops müssen sich darauf einstellen, mit Bezahlverfahren, die schnell, einfach und intuitiv auf allen Endgeräten zu jeder Zeit einwandfrei funktionieren", so Robert Buenick, Geschäftsführer Klarna DACH.

"Österreich ist nach wie vor eine Bargeld-Nation. In kaum einem anderen europäischen Land gibt es so viele Bankomaten wie hierzulande. Mehr als 80 Prozent aller Zahlungen werden bei uns immer noch mit Bargeld abgewickelt. In Skandinavien wird hingegen fast ausschließlich bargeldlos bezahlt", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Im Online-Handel gilt grundsätzlich: Je mehr Bezahl-Möglichkeiten dem Kunden angeboten werden, umso besser. Natürlich ist das auch immer eine Ressourcenfrage, denn jede zusätzliche Payment-Lösung ist mit Implementierungskosten und Gebühren verbunden. "Aktuell sind die von Webshops am häufigsten angebotenen Zahlungsmittel PayPal, Vorkasse, Kreditkarte, Kauf auf Rechnung und die SOFORT Überweisung. Alternativen wie Amazon Pay oder Apple Pay spielen zurzeit noch keine große Rolle. Ähnliches gilt für Kryptowährungen wie Bitcoin", so Will. "Für kleinere Webshops empfehlen wir vor allem die Zahlung per Kreditkarte, da andere Zahlungsarten (per Lastschrift und auf Rechnung) mit einem hohen Ausfallrisiko verbunden sind. Rechnungen werden oft zu spät oder gar nicht bezahlt, die Händler müssen dann ihrem Geld hinterher laufen. Die Kreditkarte oder PayPal sorgen dagegen für eine hohe Zufriedenheit sowohl beim Käufer als auch beim Webshop. Jene Händler, die ihren Kunden auch den Kauf auf Rechnung anbieten möchten, sollten auf Dienstleister wie Klarna zurückgreifen, welche das Zahlungsausfall- und Betrugsrisiko übernehmen."

Somit sollen sowohl Unternehmen, wie auch Kunden profitieren. Wer weiß, vielleicht verschwinden auch die Karten bald. Auch für die Händler wird der Wettkampf zwischen etablierten und neuen Anbietern ein spannednes Thema. Denn, wer in neue Märkte will, wird dies vor allem über den Preis versuchen. Damit werden die Transaktionsgebühren, die gerade bei Kreditkarten relativ hoch werden können,deutlich sinken.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-12-11 13:41:17
Letzte Änderung am 2018-12-11 16:22:16


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