Wien. 2018 häuften sich die Flugverspätungen. Allein an Flughäfen in Österreich starteten täglich fast 80 Flüge verspätet oder fielen aus. Die wichtigste Ursache ist naheliegend: Es mangelt an Piloten. Das müsste nicht sein.

Die fehlenden Fachkräfte verschärfen das Problem der Flugverspätungen, die auf unvermeidbare Ursachen wie Unwetter zurückgehen. Laut der IATA, dem Dachverband der Fluggesellschaften, hat fast die Hälfte aller Luftfahrtunternehmen Schwierigkeiten, neue Piloten zu finden. Eine Besserung ist nicht in Sicht, wird doch für die nächsten 20 Jahre eine Nachfrage nach weiteren 637.000 Flugzeuglenkern prognostiziert. Bis 2036 wird laut Prognose der IATA das jährliche Passagieraufkommen auf 7,8 Milliarden steigen. Als Maximalwert werden sogar 11,5 Milliarden Passagiere angegeben.

Passagierwachstum
führt zu Mega-Flughäfen


Der Boom bereitet neben den Fluggesellschaften, die verstärkt auf größere Maschinen setzen müssen, auch den Anbietern der Infrastruktur Probleme, die an die Grenzen der Kapazitäten stoßen. Der Wiener Flughafen Schwechat erwartet im kommenden Jahr zehn Prozent mehr Reisende als heuer. International wird deshalb an Mega-Flughäfen gebaut, etwa in Istanbul oder in Peking, wo der neue Daxing Airport im Juni 2019 den Betrieb aufnimmt.

Gleichzeitig sorgen die strukturellen Probleme bei den Airlines für finanzielle Einbußen. Laut AirHelp, einem Portal, das sich um die Rechte von Fluggästen kümmert, hatten allein 2018 mehr als 211.000 Fluggäste in Österreich Anspruch auf Entschädigungen in Höhe von bis zu 600 Euro pro Passagier.

Parallel sank der Branchengewinn heuer laut IATA um zwölf Prozent. Die Airlines reagierten darauf mit steigenden Ticketpreisen und Gebühren. Sie versuchen die fehlenden Einnahmen auf ihre Kunden zu übertragen.

Das zentrale Problem ist und bleibt freilich die Personalknappheit. Besonders gravierend ist es in den USA, wo laut der Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) die Zahl der Piloten zwischen 1987 und 2017 um 30 Prozent zurückging. Hauptgrund dafür waren die Konkurse von Fluggesellschaften infolge der Terroranschläge vom 11. September 2011. Mittlerweile hat auch die Luftwaffe Probleme und prognostiziert einen Fehlstand von 1000 Personen für 2022.

Dementsprechend sind die Aussichten für Einsteiger. Die Fluggesellschaften konkurrieren mit großzügigen Unterstützungen bei der Ausbildung, Einstellungsboni bei Vertragsunterzeichnung und diversen Nebenleistungen.

Zahl der Pilotinnen
ist ausbaufähig


Denkbar wäre zudem die gezielte Förderung von Pilotinnen. Laut der International Society oft Women Airline Pilots beträgt der Frauenanteil bei den 34 größten Linien gerade einmal 5,18 Prozent. Schlusslichter sind Emirates und Norwegian. Tipps, wie man den Frauenanteil erhöht, kann man sich auch in Indien holen, wo bereits mehr als zwölf Prozent der Cockpits weiblich besetzt sind. Das sind beinahe dreimal so viele wie in den USA, und die Tendenz auf dem rasch wachsenden Flugmarkt des Subkontinents ist steigend. Am Anfang steht zweifellos der gleiche Lohn für die gleiche Arbeit. Dazu kommen Maßnahmen wie ein eigener Sicherheits- und Beförderungsdienst für die Pilotinnen in den Nachtstunden. Ein wesentlicher Faktor sind Hilfestellungen bei der langwierigen Ausbildung, wie sie etwa die British Women Pilots’ Association mit Rat und Tat in der Form von Kreditbürgschaften bietet.

In Indien werden darüber hinaus die Pilotinnen als moderne Role Models den traditionellen patriarchalischen Vorstellungen gegenübergestellt. Durchaus mit Erfolg, wie die Agentur Reuters kürzlich berichtete. Beim Luftfahrtscollege Bombay Flying Club ist der Anteil der Schülerinnen heuer auf ein Viertel gestiegen.