Wien. Es sind alpine Bilder, die Christoph Badelt, Leiter des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) und Martin Kocher, Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) bei der gemeinsamen Präsentation der jeweiligen Konjunkturprognosen der Institute zeichnen. Badelt spricht von einem Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel: "Es wird kälter und es ziehen auch schon Wolken auf. Es sind aber keine schwarzen und sie trüben auch noch nicht die grundsätzliche Freude am Bergsteigen ein."

Kocher bemüht die Streif: "Es wird etwas ruckelig, aber es geht keinesfalls um die Mausefalle, also nicht steil bergab."

Tatsächlich gehen die beiden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer Winterprognose von weiterem Wachstum auch 2019 aus: Das Wifo von plus 2,0 Prozent gegenüber dem heurigen Jahr, das IHS von 1,7 Prozent. Es flacht allerdings im Vergleich zu 2018 ab, da wuchs die Wirtschaft laut den Analysen beider Institute noch um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2020 soll dann nochmals eine konjunkturelle Eintrübung erfolgen, wenn auch keine radikale: Das Wifo geht dann von einem Plus von 1,8; das IHS von einem von 1,6 Prozent aus, eine "Abkühlung auf hohem Niveau", sagt Badelt dazu.

Exporte und Arbeitsmarkt
als Treiber

"Österreich steht besser da als die meisten anderen Länder Europas", stellt Kocher fest. Die Außenwirtschaft profitierte heuer von einem noch günstigen Umfeld: Weder die Spannungen in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und China beziehungsweise Europa, noch ein nach wie vor nicht ausgeschlossener harter Brexit hatten Auswirkungen auf Österreich.

Es war ein Aufschwung über drei Jahre, der Anfang 2018 seinen Zenit hatte, von dem nicht nur die Industrie, sondern auch die Bau- und Dienstleistungsbranchen profitierten. Auch der Tourismus verzeichnete laut IHS von Jänner bis Oktober ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber 2017.
Das wirkte sich auch auf den Arbeitsmarkt aus, bei der Beschäftigung gebe es heuer ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr: Es sind also um 100.000 Personen mehr, die heuer einer Erwerbsarbeit nachgingen als noch 2017. Die Arbeitslosigkeit sank auf heuer 7,7 Prozent nach nationaler Definition bzw. 4,9 Prozent nach jener von Eurostat. Das wird sie laut den Prognosen beider Institute auch 2019 nochmals tun – und im kommenden Jahr laut IHS bei 7,4 Prozent, laut Wifo bei 7,3 liegen.

Problem gebe es bei Langzeitarbeitslosen, "ein ökonomisches wie auch soziales Problem", sagt Badelt; außerdem gebe es einen Missmatch, also Jobangebote an anderer Stelle oder für höher Qualifizierte als nachgefragt werden. Der aktuelle Fachkräftemangel sei aber ein konjunkturell bedingter, der zu erwartende, wenn die Babyboomer in rund fünf Jahren in Pension gehen, allerdings ein struktureller.

Beschäftigung und Steuerreform stärken Konsum

Es brauche deshalb Bildung und Qualifizierung und auch wenn es politisch anders gesehen werde, "Investitionen in Flüchtlinge. Da gibt es Potenzial", sagt Badelt. In Deutschland bemühe man sich um ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz, sagt Kocher zudem: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Österreich davon abkoppeln kann, sondern etwas Ähnliches auf den Weg bringen wird."

Der private Konsum habe das Wachstum massiv gestützt. Badelt führt die Mehrausgaben Privater auch auf die bessere Beschäftigungslage zurück. Angekündigte Kürzungen bei der Mindestsicherung heuer und der Notstandshilfe im kommenden Jahr, spielten ökonomisch keine Rolle, "sozialpolitisch kann man das diskutieren, aber das ist eine andere Baustelle", sagt er auch.


Links

IHS Konsjunkturprognose

WIFO Konjunkturtest

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Beide Wirtschaftsforscher gehen jedenfalls davon aus, dass die Erwartung auf den Familienbonus ab 2019, für jene die ihn erhalten werden, schon heuer ein Anreiz war, mehr zu konsumieren – so wie die geplante Steuerentlastung generell. Badelt: "Vor allem bei kleineren Einkommen kann man kaufkräftige Nachfrage schaffen." Von den fünf Milliarden Euro Steuerentlastung kostet der Familienbonus 1,5; weitere 1,5 spüle die aktuell gute Konjunktur herein – weil die aber abflaut und noch zwei Milliarden Euro fehlen, müsse man Struktur reformieren.