Wien. (apa) Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse, fordert im Wettbewerb mit außerbörslichen Handelsplattformen von den Regulierungsbehörden faire Wettbewerbsbedingungen. "Viele Banken betreiben selbst Wertpapierhandelsplattformen, sind aber weniger streng reguliert", sagt er. Ohne diese "Chancengleichheit" wären hochregulierte Börsen zu einem schlechteren Preisregime gezwungen. "Der Börse ist es bisher regulatorisch verboten, die gleichen attraktiven Kursstellungen wie die Bankensysteme anzubieten. Fairer Wettbewerb sieht anders aus", klagt Boschan.

Die Wiener Börse werde sich auch weiterhin um Internationalisierung bemühen. Die österreichische Anlegerschaft dürfe nicht darauf angewiesen sein, mit ihren Orders ins Ausland zu gehen. Deshalb werde er sich bemühen, alle Investmentgelegenheiten, die der Österreicher haben will, auch an der Heimatbörse verfügbar zu machen, so Boschan. An der Wiener Börse sollen auch den österreichischen Emittenten die mit Abstand besten Preise zur Verfügung stehen und zustande kommen. "Das ist wesentlich für uns im Marktplatzwettbewerb. Wenn wir nicht die Preisführerschaft haben, finden die Umsätze woanders statt", betont Boschan.

KMU-Segment startet im Jänner

Die Vorbereitungen für den Handelsstart des KMU-Segments "direct market plus" seien praktisch abgeschlossen: "Wir haben bereits ein sogenanntes direct network eingerichtet, wo wir Kapitalsuchende und Kapitalgeber zusammen bringen, richtig im Sinne von Kapitalaufnahme." Der börsliche Sekundärmarkt dazu werde am 21. Jänner mit acht bis zehn Kandidaten starten, so Boschan. Weitere Kandidaten sollten im Laufe des Jahres folgen.

Für die Wiener Börse selbst seien 2017 und 2018 zwei intensive Jahre gewesen. Man habe fast 600 neue ausländische Aktientitel nach Wien geholt und allein heuer rund 700 Anleihen zusätzlich in den Handel aufgenommen.

Weiter auf der Wunschliste von Boschan befindet sich die Befreiung von Privatanlegern von der 27,5-prozentigen Steuer auf Kursgewinne und Dividenden.