Aktuell versuche man daher als mögliche Option, ein nicht zustellbares Paket einfach wieder in den Lieferwagen zu geben und in diesem bis zum nächsten Zustellversuch zu lagern, sagt Eichenseher zur "Wiener Zeitung". Auch das Anbringen von Zetteln an der Wohnungstür mit genauen Angaben, zum Beispiel welcher Nachbar das Paket entgegengenommen hat, sei zunehmend Usus. Online seien diese Angaben im Kundenkonto jederzeit abrufbar, so der Amazon-Sprecher.

Der Online-Handel wachse stetig. Erst die Tatsache, dass Amazon seine Kapazitätsgrenze erreicht hatte, habe das Verteilzentrum in Niederösterreich notwendig gemacht. Drei Jahre davor, Ende 2015, hatte man das erste in Deutschland außerhalb Münchens errichtet - mittlerweile ist man hier laut Eichenseher in zahlreichen weiteren Regionen vertreten. Das spüren freilich die anderen Zusteller. Bei der Österreichischen Post AG zum Beispiel wirke sich die Zustellung der Pakete im Großraum Wien durch Amazon bereits aus, sagt Post-Sprecher Michael Homola: Im Dezemberschnitt werde die Post heuer voraussichtlich rund 116.000 Pakete täglich zustellen - im Vorjahr waren es noch 122.000.

Einen ähnlichen Effekt habe es auch beim Markteintritt des deutschen Paketzustellers DHL gegeben, sagte Post-Generaldirektor Georg Pölzl im Vormonat bei der Vorlage der Quartalsdaten. Die Zeiten der zweistelligen Wachstumsraten im Post-Paketgeschäft gehörten jedenfalls bald der Vergangenheit an. "Das Wachstum im Paketbereich wird sich im nächsten Jahr mit Sicherheit in den einstelligen Bereich begeben, weil wir hier natürlich einen Amazon-Effekt haben werden", so Pölzl.

Insgesamt werden im Weihnachtsquartal rund 60 Millionen Packerl zugestellt, schätzt die Regulierungsbehörde RTR. Über das Jahr gerechnet waren es 2017 mehr als 209 Millionen Pakete. Von diesem gesamten österreichischen Paketmarkt hält die Post nach Eigenangaben noch 47 Prozent.

Die Logistik hinter dem Onlineriesen Amazon aus Seattle ist mittlerweile eine komplexe Angelegenheit. Das Verteilzentrum in Großebersdorf ist kein Warenlager, sondern erhält die bestellten Sachen aus
anderen europäischen Amazon-Logistikzentren. Die Lieferung zur Wohnungstür erfolgt dann wie gesagt über die Partner. Onlinehändler wie Amazon stehen schon länger in der Kritik - einerseits, weil sie in den meisten Ländern keine versteuerbaren Firmensitze haben, und andererseits von Arbeitnehmervertretern.

Ersterem möchte die EU-Kommission nun mit einer dreiprozentigen Umsatzsteuer (EU-Digitalsteuer) für Unternehmen begegnen, deren weltweiter Jahresumsatz mehr als 750 Millionen Euro beträgt. Zweitere, konkret die Gewerkschaft Verdi, haben zuletzt zu Streiks an den zwei deutschen Amazon-Standorten Werne und Leipzig aufgerufen. In der Nacht auf vergangenen Montag wollten sie damit ihrer Forderung nach Tarifverträgen des Einzelhandels Nachdruck verleihen. Verdi kämpft seit 2013 für einen Tarifvertrag für die rund 16.000 Beschäftigten des US-Händlers in Deutschland - ohne Erfolg. "Bei dem Umsatz, den Amazon in der Weihnachtszeit auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen erwirtschaftet", so die Kritik, "ist dies durch nichts zu rechtfertigen."