Konsument als Produzent

"Durch die Digitalisierung beobachten wir in Zukunft wieder eine Zusammenführung von Prozessen", meint Helmenstein. Die Wifo-Ökonomin Angela Köppl erklärt das am Beispiel der Energiegewinnung und des Verbrauchs. Die Verbraucher werden künftig auch zu Erzeugern. "Wir müssen wegkommen von der Frage, woher die Energie kommt, hin zur Frage, wofür sie benötigt wird", sagt sie. Das setzte ein ganz anderes Gebäudemanagement voraus. So könnten viel mehr Haushalte etwa mittels Photovoltaik selbst Strom erzeugen und Überschüsse sogar in die Netze speisen. Die gleiche Frage gelte es im Bereich Mobilität zu beantworten. Ein Stück weit sieht Helmenstein die Haushalte in einer Doppelrolle als Konsumenten und Produzenten (Prosumer) durch eine Kommerzialisierung des 3D-Druckers, der eine Vielzahl an Erzeugungsmöglichkeiten bietet.

"Alle klimawissenschaftlichen Studien zeigen uns, dass der Handlungsbedarf, den Klimawandel zu begrenzen, groß ist und rasche Maßnahmen notwendig sind", sagt Köppl. Deshalb sieht sie einen notwendigen Wandel in Richtung Ressourceneffizienz und Langlebigkeit von Gütern. Solche Prozesse werden oft politisch vorgegeben. So haben sich die EU-Staaten vor kurzem auf ein Verbot für Plastiksackerl geeinigt.

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Bleibt die Frage: Cui bono? Wer profitiert von diesem möglichen Wandel in der Gütererzeugung? Helmenstein weist darauf hin, dass die Digitalisierung es möglich gemacht hat, digitale Produkte mit nahezu null Grenzkosten zu vervielfältigen und zu verkaufen. Während zur Erzeugung eines neuen Wagens neue Rohstoffe, Arbeiter, Maschinen und mehr notwendig sind, lassen sich ein Algorithmus, ein digitaler Bauplan oder ein digitaler Musiktitel unendlich oft und ohne Aufwand weiterverbreiten. Mit immensen Renditen für jene, die darüber verfügen. "Das stellt uns vor die Herausforderung des Winner-takes-it-all-Prinzips", erklärt Helmenstein. Dass wir bald mit einer arbeitsfreien Welt konfrontiert sein werden, glaubt er nicht. Es würden nach wie vor Rohstoffe, die verarbeitet und verbreitet werden müssten, und vor allem kreative Köpfe benötigt.

Wie die Vermögen im Jahr 2050 weltweit verteilt sein werden, ob die Ungleichheit global zu- oder abnehmen wird, darüber traut sich kaum ein Ökonom so recht zu urteilen. Zu verschwommen ist der Blick in die wirtschaftliche Zukunft, zu fragil sind die unzähligen Nuancen, die schon bald darüber bestimmen könnten, ob die Gesellschaften weltweit reicher oder ärmer werden. Wie wird sich der Brexit auswirken? Rutscht Italien in den finanziellen Kollaps?