Wien. (apa/red) Die heimischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe haben sich zuletzt solide entwickelt. Nominell, also ohne Berücksichtigung der Inflation, wuchs der Sektor im Vorjahr (in den ersten drei Quartalen) um 1,1 Prozent. Das entspricht einem Umsatzplus von einer Milliarde Euro auf 75 Milliarden Euro. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2018 lag der Umsatz bei 93 Milliarden Euro. Als wichtigste Herausforderungen für den Sektor gelten derzeit die Digitalisierung und der Facharbeitermangel.

Renate Scheichelbauer-Schuster, Obfrau der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), hob am Mittwoch vor Journalisten vor allem die Bedeutung der Digitalisierung hervor. Hier handle es sich um das Zukunftsthema für Klein- und Mittelbetriebe (KMU) schlechthin. "Unsere Unternehmen müssen dabei stetig am Ball bleiben", betonte Scheichelbauer-Schuster. "Für die Implementierung der neuen Technologien und Prozesse ist noch eine starke Unterstützung nötig."

Initiative "KMU digital"

In diesem Zusammenhang forderte die Spartenobfrau die Fortführung der Initiative "KMU digital" durch die Bundesregierung, die mit sieben Millionen Euro dotiert war. Diese sei de facto ausgelaufen, brauche aber eine Fortsetzung. Dabei sei nicht der Titel, sondern der Inhalt wichtig, erklärte Fachverbandsgeschäftsführer Reinhard Kainz. Zum einen solle die online mögliche Digital-Standortbestimmung für KMU mit anschließender Fachberatung an Ort und Stelle aufrechterhalten bleiben. Zum anderen sollten diese Maßnahmen nun durch ein Innovations- und Trendmanagement ergänzt werden.

Es gehe unter Einbeziehung der Außenwirtschaft der WKÖ in besonders digital-affinen Weltregionen um das Festmachen von Trends in einzelnen Branchen, die besonders wichtig und erfolgsversprechend seien, so Kainz. Nach Feststellung dieser Trends sollten konkrete Informationen darüber nach Österreich zurückgebracht werden, um sie via Beratung in den KMU zu implementieren. "Um ein solches Paket zu schnüren, laufen Gespräche mit dem Digitalisierungsministerium (Wirtschaftsministerium, Anm.)", sagte Kainz. Eine höhere Dotierung als zuletzt bezeichneten die WKÖ-Vertreter als wünschenswert.

"Die Betriebe brauchen das", so Scheichelbauer-Schuster. Zwar stehe im Gewerbe und Handwerk weiterhin die Qualität der Produkte und der handwerklichen Arbeit im Mittelpunkt. "Aber wir haben klaren Handlungsbedarf, um die Betriebe zu motivieren, mehr in die digitale Offensive zu gehen. Ich wünsche mir von unseren Betrieben, dass sie bis 2020 digital flächendeckend präsent sind." Als Die Spartenobfrau nannte mehrere Digitalisierungsbeispiele - darunter etwa das digitale Terminvereinbaren beim Friseur, die digitale Veranschaulichung neuer Einrichtungen durch den Tischler das eigene Schmuck-Kreieren bei Goldschmieden dank neuer digitaler Möglichkeiten. Betriebe, die noch gar nicht digital sind, will die WKÖ über Broschüren und Vorträge an Bord holen.