Börsenchef Christoph Boschan läutete am Montag mit der Glocke den Start von zwei Marktsegmenten für KMU ein. - © apa/Herbert Pfarrhofer
Börsenchef Christoph Boschan läutete am Montag mit der Glocke den Start von zwei Marktsegmenten für KMU ein. - © apa/Herbert Pfarrhofer

Wien. (kle) Eine Novelle zum Aktiengesetz ermöglicht Klein- und Mittelbetrieben (KMU) seit Jahresbeginn einen weniger streng regulierten Börsenzugang. Damit soll es ihnen erleichtert werden, sich Kapital zu beschaffen, zumal sie als Rückgrat der heimischen Wirtschaft gelten. Am Montag läutete die Wiener Börse den Start ihres neuen KMU-Top-Segments "direct market plus" ein. Dort werden jetzt die Aktien von acht in- und ausländischen Firmen gehandelt. Darunter sind vier Börsenneulinge. Die anderen vier Titel notieren bereits länger in Wien. Sie wechselten vom "mid market", der aufgelöst wurde, in das neue Marktsegment.

Daneben gibt es für KMU das Basis-Segment "direct market", das beim Handelsstart am Montag 23 Firmen umfasste, die alle zuvor im Segment "other securities" gelistet waren. Auch dieses Marktsegment hat die Wiener Börse nun eingestellt.

Applaus vom Aktienforum

Robert Ottel, Präsident des Aktienforums, der Interessenvertretung der österreichischen börsennotierten Firmen, begrüßte den Start des neuen KMU-Segments. "Wir registrieren einen vorsichtigen politischen Sinneswandel beim Thema Kapitalmarkt", sagte er. "Das ist äußerst positiv und sollte im Sinne des heimischen Standorts so weitergeführt werden."

Börsenchef Christoph Boschan meinte: "Unser Segment bietet den idealen Startplatz, um sich Schritt für Schritt am Kapitalmarkt weiterzuentwickeln." Die am Montag gestarteten Neulinge stünden am Anfang ihrer Kapitalmarktkarriere. "Die Arbeit beginnt jetzt", betonte Boschan.

Für die Zulassung zum "direct market" muss ein Unternehmen eine AG, eine Aktiengesellschaft, sein sowie gewissen Streubesitz aufweisen. Zudem muss gewährleistet auch sein, dass ein Aktienhandel stattfinden kann. Beim "direct market plus" kommen noch weitere Voraussetzungen dazu - etwa ein veröffentlichter Jahresabschluss, ein Halbjahresbericht, ein Unternehmenskalender im Internet sowie die Begleitung des Unternehmens durch einen "Capital Market Coach".

Bei den vier Neulingen im "direct market plus" handelt es sich um das Linzer Investorennetzwerk "startup300", den deutschen Immobilienentwickler Eyemaxx Real Estate, den Leopoldsdorfer Hochbau-Verschalungsspezialisten VST Building Technologies und die in Innsbruck ansässige Wolftank-Adisa Holding AG, eine Firmengruppe im Bereich Tankanlagen. Die übrigen, schon älteren Titel des neuen Segments sind Hutter & Schrantz Stahlbau, Sanochemia Pharmazeutika, Athos Immobilien und DWH Deutsche Werte Holding AG.