Wien. (kle) Durch die digitale Revolution ist vieles in Bewegung - auch im Finanzsektor. Das Angebot digitaler Finanzdienste, denen neue, innovative Technologien zugrundeliegen, nimmt zu, und das rasant. Vor allem mit Blick auf effiziente Regulierung und Verbraucherschutz stellt der Umgang mit dem Thema "Fintech" den Gesetzgeber, die Aufsichtsbehörden und die Zentralbanken vor große Herausforderungen. Konkret geht es darum, Risiken zu identifizieren und mit entsprechenden Maßnahmen weiterhin für Finanzmarktstabilität zu sorgen.

Ewald Nowotny sagte am Montag beim Auftakt einer internationalen Fintech-Konferenz in Wien, es sei daher notwendig, die Aufsicht zu anzupassen. Neuen Technologien im Finanzsektor steht der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zwar aufgeschlossen gegenüber, doch gleichzeitig pocht er auf strenge Regulierung. "Neue Technologien können Finanzinstitutionen unterstützen, aber nicht ersetzen", betonte der Notenbanker. "Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass uns Finanzinstitutionen Stabilität garantieren."

Zwecks Test "Sandboxen"
für Fintech-Start-ups

"Unser Fokus liegt auf dem ,Fin‘, nicht dem ,Tech‘", sagte Nowotny weiter. "Daher sollten wir uns auf Maßnahmen der Regulierung konzentrieren." Harald Waiglein, Chef der Sektion "Wirtschaftspolitik, Finanzmärkte und Zölle" im Finanzministerium, skizzierte, wie diese in Österreich aussehen könnten. In sogenannten Regulatory Sandboxes sollen Fintech-Start-ups ihre Geschäftsmodelle unter Aufsicht des Ministeriums an Kunden testen können. Wie Waiglein erklärte, sollen hier Regulierungsmaßnahmen entwickelt werden, ohne die Innovationsdynamik zu bremsen. Es geht also auch um das Nutzen von Chancen. Für die Suche nach geeigneten Spielregeln für junge Finanzfirmen und für Kryptowährungen hat Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) im Vorjahr einen eigenen Fintech-Beirat einberufen. Zwecks Datensicherheit und gegen Geldwäsche soll es in Zukunft auch eine zentrale Plattform für Cybersecurity geben, in der personenbezogene Daten verschiedener Bankinstitute gesammelt werden.

Die Fintech-Konferenz in Wien ist der Auftakt einer fünfteiligen Serie internationaler Konferenzen, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank organisiert werden und in denen sich Experten aus dem öffentlichen und dem privaten Sektor gemeinsam mit politischen Entscheidungsträgern austauschen sollen. Im Fokus liegt die Implementierung der "Bali Fintech Agenda". Dieser Aktionsplan von IWF und Weltbank soll Mitgliedstaaten helfen, institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, neue Technologien in der Finanzbranche bestmöglich zu nutzen.