Wien. Eine Rekordproduktion, höhere Öl- und Gaspreise sowie weitere Kostensenkungen haben dem Wiener Energiekonzern OMV 2018 zu einem Top-Ergebnis verholfen. Unterm Strich fuhr das teilstaatliche Unternehmen einen Gewinn von fast zwei Milliarden Euro ein, der damit den Wert vom Jahr davor um mehr als das Doppelte übertraf. So gut verdient wie 2018 hat die OMV noch nie. Die Dividende soll nun von 1,50 auf 1,75 Euro je Aktie angehoben werden, kündigte Konzernchef Rainer Seele am Mittwoch an. Für den Bund, der als größter Einzelaktionär 31,5 Prozent der Anteile hält, bedeutet dies, dass gut 180 Millionen Euro in seine Kassen fließen.

An der Börse kamen die neuen Unternehmensnachrichten gut an. Im Handelsverlauf legte die OMV-Aktie bei hohen Umsätzen mehr als fünf Prozent auf 45,39 Euro zu. Im Wiener Leitindex ATX war der Titel damit größter Kursgewinner.

Pause nach großer Einkaufstour

Die Fördermenge ist bei der OMV 2018 um fast ein Viertel auf durchschnittlich 427.000 Barrel Öl-Äquivalente pro Tag gestiegen - vor allem dank Zuwächsen in Russland und Libyen sowie des Produktionsstarts in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Heuer peilt der Konzern als Förderziel insgesamt 500.000 Fass pro Tag an.

Dabei will Seele die Produktionskosten, die er bereits in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt hat, weiter hinunterschrauben, wie er bei der Bilanzpräsentation sagte. 2018 lagen diese mit sieben Dollar pro Barrel um ein Fünftel unter dem Jahr davor.

Den Brent-Rohölpreis erwartet Seele für heuer im Durchschnitt bei 65 Dollar je Fass - nach 71 Dollar im abgelaufenen Jahr. Auch bei Gas rechnet er mit niedrigeren Preisen an den europäischen Spotmärkten.

In Sachen Akquisitionen (Beteiligung an Öl- und Gasfeldern sowie Raffinerien) sieht Seele sein strategisches Programm nach der großen Einkaufstour in Abu Dhabi, Malaysia und Neuseeland mittlerweile großteils abgearbeitet. "Nur noch ein Projekt ist offen: Achimov IV/V (riesiges Gasfeld in Sibirien, Anm.)", so der OMV-Chef. Geplant sei, diese Transaktion mit der russischen Gazprom im heurigen Sommer abzuschließen. Danach will die OMV bei Zukäufen pausieren, nachdem sie mehrere Milliarden ausgegeben hat.

Weiteres Geld für Nord Stream 2

Indes bekräftigte Seele am Mittwoch, dass die OMV die Finanzierung der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 fortführen werde. Bisher hat der Konzern rund 600 Millionen Euro für das von Gazprom ins Rollen gebrachte Großprojekt beigesteuert. Insgesamt entfällt auf die OMV ein Zehntel der gesamten Projektkosten von 9,5 Milliarden Euro. Ihren Restanteil werde sie heuer zahlen, sagte Vorstand Manfred Leitner.

Das Pipeline-Projekt - künftig soll weiteres Gas aus Russland nach Westeuropa strömen und so für Versorgungssicherheit sorgen - ist bei Anrainerstaaten und den USA freilich nach wie vor umstritten. Von den Sanktionsdrohungen der USA zeigt sich Seele aber unbeeindruckt. Die Drohungen gebe es schon länger, entscheidend sei dabei die Haltung Europas. Seele glaubt weiter an Nord Stream 2: "Es wäre ja fatal, wenn ein voll genehmigtes Milliardenprojekt in Europa nicht durchgeführt werden könnte aufgrund übergeordneter Entscheidungskriterien. Das würde nicht unbedingt das Vertrauen von Investoren in einen solchen Standort mehren."