Wien. Nun ist es fix: Gerhard Roiss, der Aufsichtsratsvorsitzende des zu 51 Prozent der Republik gehörenden börsennotierten Stromkonzerns Verbund, hat seinen Rücktritt eingereicht. Die Demission per Ende April wurde am Mittwochabend vom Verbund-Konzern bestätigt. Davor hatte Roiss den Finanzminister informiert.

Wie der Verbund in einer Pflichtmitteilung erklärte, hat der Vorsitzende des Aufsichtsrats heute mitgeteilt, dass er mit Ablauf der Hauptversammlung 2019 nicht mehr als Mitglied des Aufsichtsrats der Verbund AG zur Verfügung stehen wird.

Die Jahreshauptversammlung ist am 30. April. Das Aufsichtsratsmandat von Roiss wäre bis 2020 gelaufen. Als Hintergrund des Abgangs war zunehmender staatlicher Einfluss auf Staatsbeteiligungen im Zusammenhang mit der Reform der Staatsholding ÖBAG ausgemacht worden. Mit der Reform wird nun auch der Verbund der Staatsholding unterstellt.

Termin beim Finanzminister

Roiss war am Mittwoch bei Finanzminister Hartwig Löger. Dabei habe es sich um einen "normalen Termin zur Vorbereitung der Hauptversammlung" gehandelt, sagte Ministersprecher Jim Lefebre am Nachmittag auf APA-Anfrage. Zu Fragen nach einem Rücktritt von Roiss wollte er nicht Stellung nehmen.

Die nächste Hauptversammlung beim Verbund ist für den 30. April geplant. Die "Presse" hatte berichtet, Roiss wolle am Mittwoch beim Gespräch mit Löger seinen Rücktritt als Aufsichtsratspräsident des Verbund verkünden. Das hänge damit zusammen, dass Minister Löger im Rahmen der Umgestaltung der Verstaatlichtenholding ÖBIB in die ÖBAG mehr Einfluss auf die staatlichen Unternehmen nehmen will.

Ein Vierteljahrhundert OMV

Die Aussicht darauf, dass der Staat künftig stärker Einfluss nehmen könnte, hatte im Herbst 2018 bereits den damaligen OMV-AR-Chef Peter Löscher dazu bewogen, seinen Rückzug von dieser Funktion anzukündigen.

Roiss besitzt kein Parteibuch und hat die ihm manchmal nachgesagte Nähe zur FPÖ stets vehement bestritten. Tatsächlich machte er einen guten Teil seiner Karriere im Windschatten von Wolfgang Ruttenstorfer, dem er 1997 in den OMV-Vorstand nachfolgte, also sich Ruttenstorfer bis 2000 eine Auszeit von der OMV nahm und für die SPÖ als Staatssekretär ins Finanzministerium ging. Roiss übernahm damals die Verantwortung für den Bereich Kunststoffe und Chemie.

Am 1. April 2011, nur einen Tag vor seinem 59. Geburtstag und nach gut zwei Jahrzehnten Zugehörigkeit zur OMV, übernahm Gerhard Roiss die Führung des teilstaatlichen Öl- und Gaskonzerns - damit ermöglichte Ruttenstorfer zum zweiten Mal durch seinen Abgang Roiss einen Karrieresprung. Nach einem Vierteljahrhundert ging die OMV-Karriere von Gerhard Roiss vorzeitig zu Ende. Nachdem er 2013 noch einen neuen Vertrag erhalten hatte, mehrten sich seit 2014 Berichte über Kontroversen in der OMV-Führung. Im Oktober kündigte dann der Aufsichtsrat unter Rudolf Kemler an, dass Roiss zum 30. Juni 2015 mit einer Abfertigung von knapp drei Millionen Euro ausscheiden werde. Nach Ansicht etlicher Kommentatoren war er Opfer einer politischen Intrige geworden. Die Regelung seiner Nachfolge an der OMV-Spitze erfolgte erst im März 2015, als Rainer Seele zum neuen Vorstandschef nominiert wurde und diesen Job am 30. Juni 2015 antrat.

Bereits im April 2015 übernahm Roiss ein Mandat im Verwaltungsrat des Schweizer Industriekonzerns Sulzer. Im April 2017 wurde er Vorsitzender des Verbund-Aufsichtsrates. Der Linzer Gerhard Roiss (66) ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Eines seiner Hobbys ist das Laufen - 2002 war er Mitgründer des Linz-Marathons. Roiss ist Ehrensenator der Universität Linz und der Stanford University.