Wien. (ede) "Wie eine Wanderpredigerin" fühlt sich Martha Schultz, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Bundesvorsitzende der Interessenvertretung Frau in der Wirtschaft, wenn sie darüber redet, wo die heimischen Unternehmerinnen der Schuh drückt.

Dass hierzulande immer mehr Frauen den Sprung in die Selbständigkeit wagen und sich damit freiwillig vom Arbeitszeitmodell "Nine-to-five" verabschieden, sei nichts Neues. Dass Unternehmerinnen mit Kindern ihre liebe Not mit den Öffnungszeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen und mit den langen Ferien haben, ist auch hinlänglich bekannt. Umso mehr begrüßt Schultz, dass in Österreich einheitliche Herbstferien eingeführt werden. Das verbessere die Planbarkeit, betonte sie am Donnerstag in einem Pressegespräch anlässlich des Internationalen Frauentags, der kommende Woche stattfindet. Auch die restlichen schulautonomen Tage sollten in ganz Österreich vereinheitlicht werden.

Zu lange Sommerpause im Kindergarten

Rund die Hälfte aller Unternehmerinnen haben Kinder. Für sie fordert Frau in der Wirtschaft einen raschen und flächendeckenden Ausbau der Betreuungsangebote - für alle Altersstufen und auch im ländlichen Raum.

Da die täglichen Öffnungszeiten und die Ferienzeiten nicht den Erfordernissen der modernen Arbeitswelt entsprechen, sollten die Schließzeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen auf drei Wochen pro Jahr reduziert und die Öffnungszeiten auf mindestens 50 Stunden pro Woche ausgeweitet werden. Das Burgenland, Tirol, Vorarlberg und Niederösterreich hätten durchschnittlich mehr als 30 Schließtage im Jahr, moniert Schultz.

Es solle auch künftig unkompliziert möglich sein, dass Eltern ihre Kinder wahlweise in der Gemeinde des Unternehmensstandorts oder in der Wohngemeinde betreuen lassen können. Dazu sei eine stärkere Vernetzung der Gemeinden nötig.

Schultz verfolgt auch weiter hartnäckig das Anliegen, Frauen steuerliche Entlastungen zugutekommen zu lassen. Weil der Arbeitsplatz von Ein-Personen-Unternehmerinnen oft im Wohnungsverband liege, solle die steuerliche Berücksichtigung von Aufwendungen für ein Arbeitszimmer auch dann möglich sein, wenn der Mittelpunkt der Tätigkeit zwar außerhalb des Arbeitszimmers liegt, aber kein anderer Arbeitsplatz verfügbar sei. Dafür sollen jährlich 1500 Euro pauschal steuerlich abzugsfähig sein. Frau in der Wirtschaft und die Junge Wirtschaft hätten in den vergangenen zehn Wochen bereits über 9000 Unterstützungserklärungen für dieses Anliegen gesammelt.

Als nicht mehr zeitgemäß bezeichnete Schultz die seit 1983 geltende Grenze von 400 Euro für sofort abschreibbare Wirtschaftsgüter. Diese solle auf 1500 Euro erhöht werden, damit auch kleinere Unternehmen Investitionen tätigen können.

Im vergangenen Jahr wurde in Österreich jedes dritte Unternehmen (37 Prozent) von einer Frau gegründet. Das Durchschnittsalter der Gründerinnen betrug 47,3 Jahre. Die Fachgruppen mit dem höchsten Frauenanteil sind Friseure, Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure sowie Mode- und Bekleidungstechnik.

Papamonat: "EU-Richtlinie abwarten"

Zum Thema Rechtsanspruch auf den Papamonat sagte Schultz: "Die Väter sollen einmal das ausnutzen, was es schon gibt", wie Väterkarenz und Elternteilzeit. "Warten wir einmal ab, welche Vorgaben die EU gibt", so die Unternehmerin. Derzeit wird auf europäischer Ebene die Vereinbarkeits-Richtlinie weiterentwickelt. Dabei geht es auch um Familienzeiten von zehn Tagen für Väter unmittelbar nach der Geburt eines Kindes.