Wien. (red.) Vor fast sieben Jahren sorgte der Mord an dem Wiener Rechtsanwalt Erich Rebasso für Schlagzeilen. Wie Recherchen eines internationalen Journalisten-Kollektivs nunmehr belegen, wusch Rebasso in großem Stil Geld für russische Klienten. Demnach schleuste der Advokat über ein einziges Wiener Raiffeisen-Konto in kaum mehr als einem Jahr rund 100 Millionen Dollar zu Offshore-Firmen mit Sitz in Panama und auf den Britischen Jungferninseln. Das Geld stammte auch aus organisierter Kriminalität. Rebasso zeigte sich und seine Klienten schlussendlich selbst an. Doch die österreichischen Behörden seien untätig geblieben, wie "profil" und "Addendum" berichten, die dem Recherche-Kollektiv auf österreichischer Seite angehören.

Erich Rebasso verließ am Nachmittag des 27. Juli 2012 sein Büro in der Wiener Innenstadt. Als er an jenem Tag in der Tiefgarage am Georg-Coch-Platz auf sein Auto zuging, lauerten ihm zwei Russen auf. Drei Wochen später wurde Rebassos Leichnam in einem Waldstück bei Königstetten in Niederösterreich gefunden.

100 Millionen Dollar bewegt

Laut dem Recherche-Kollektiv war Rebasso ab Ende 2006 bis Februar 2008 tief in Geldwäscherei verstrickt. Von seiner Kanzlei aus schleuste er im Auftrag russischer Klienten über ein Wiener Raiffeisen-Konto mindestens 100 Millionen US-Dollar zu Empfängern in Offshore-Destinationen.

Das Geld stammte zu einem erheblichen Teil - womöglich zur Gänze - aus Betrugshandlungen in Russland. Rebasso war einer von vielen internationalen Dienstleistern, die gut daran verdienten, bestimmten Leuten bei der Verbringung von Vermögen aus Russland zu helfen. Er überwies Millionen von einem Konto zum anderen, von einem Land in das andere, bis es schwer war, überhaupt noch zu sagen, woher oder woraus genau das Geld stammte. Dafür benötigte er lediglich seinen guten Namen, eine kleine Wiener GmbH und ein Konto bei seiner langjährigen Wiener Hausbank, der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien.

Das ist eine der Erkenntnisse einer länderübergreifenden Recherche, welche die international tätige Recherche-Plattform Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) koordinierte. Mehr als 50 Journalisten von zwei Dutzend Medien arbeiteten sich durch umfangreiches Material, das OCCRP und der litauischen Website "15min.lt" zugespielt worden war. Aus Österreich waren "profil" und "Addendum" beteiligt, dazu unter anderem auch "Süddeutsche Zeitung" und der britische "Guardian".

Ausgangspunkt des Projekts "Troika Laundromat" war ein Datenleck bei der litauischen Privatbank AB Ukio Bankas. Rund um die mittlerweile von der Finanzaufsicht geschlossene Bank war ein Schattenfinanzsystem entstanden, mittendrin war über seine russischen Klienten Rebasso.