Wien/Hongkong/Helsinki. Der finnische Sportartikelkonzern Amer - Mutter der österreichischen Skifirma Atomic - wird chinesisch. Am Freitagmittag gab das chinesische Käuferkonsortium unter Führung des Sportartikelriesen Anta Sports bekannt, dass ihm vorläufig 94,38 Prozent der Amer-Aktien angedient wurden. Damit ist das nötige Quorum von 90 Prozent übertroffen worden.

Michael Schineis, früherer Chef des Altenmarkter Skiherstellers Atomic und nun Präsident für den Wintersport (außer Bekleidung) im Amer-Konzern, sprach von einem "großen Meilenstein" in der Firmengeschichte. Auch wenn das offizielle Ergebnis erst am 12. März vorliegen soll, gehe er davon aus, dass es bestätigt werde, sagte er im Gespräch mit der Apa.

Amer bleibt eigenständiges Unternehmen

Für Atomic im Bundesland Salzburg werde die Übernahme kurz- bis mittelfristig keine Auswirkungen haben. "Es gibt zwar neue Eigentümer, aber Amer bleibt ein eigenständiges Unternehmen. Es wird keine Verschmelzung im operativen Bereich geben, aber natürlichen wollen wir Synergien ausnutzen", so der Manager.

"Der Unterschied ist, dass wir statt rund 1000 Aktionären nur mehr vier Haupteigentümer haben, für die wir statt Dividende nun Rendite erwirtschaften." Neben Anta sind bei der milliardenschweren Übernahme auch der chinesische Internetriese Tencent und der kanadische Milliardär Chip Wilson im Konsortium. Zum finnischen Sportartikelhersteller Amer Sports gehören neben Atomic unter anderem auch die Marken Salomon und Wilson. Dem neuen Eigentümer sei der Strategieplan für die Jahre 2019 bis 2021 bekannt, so Schineis. Dieser sehe für Atomic in Altenmarkt für heuer und 2020 Investitionen in der Größenordnung von rund 20 Millionen Euro vor.

Chinesen haben in Österreich schon mehrere Beteiligungen

Atomic reiht sich in eine länger werdende Liste heimischer Vorzeigeunternehmen mit chinesischen Eigentümern. Im März 2018 übernahm beispielsweise der chinesische Investor Fosun den Vorarlberger Wäschekonzern Wolford, und der oberösterreichische Luftfahrtzulieferer FACC gehört seit 2009 mehrheitlich der staatlichen Aviation Industry Corporation of China (Avic).

Zwei Jahre nach dem FACC-Deal ging der steirische Motorenhersteller ATB aus der ehemaligen A-Tec-Gruppe an das chinesische Industrieunternehmen Wolong. Ein Jahr später verschwand f der Mobilfunker Orange vom österreichischen Markt, als der hinter dem Konkurrenten "Drei" stehende Hongkonger Mischkonzern Hutchison zugriff. Auch die 2017 erfolgte Übernahme von Tele2 Österreich geht auf das Konto von Hutchison/Drei.

Der oberösterreichische Spezialmotorenbauer Steyr Motors wurde 2012 zu 100 Prozent an den Hongkonger Finanzinvestor Phoenix Tree HSC Investment (Wuhan) verkauft.