Wien/Salzburg. (apa/kle) Paukenschlag in der Sportartikelbranche: Der finnische Konzern Amer wird von einem chinesischen Käuferkonsortium unter Führung von Anta Sports übernommen. Damit wird auch die zu Amer gehörende Salzburger Skifirma Atomic chinesisch. Anta Sports gab am Freitag bekannt, dass im Rahmen eines Übernahmeofferts über die Börse bereits 94,38 Prozent der Amer-Aktien angedient wurden. Das für den Deal nötige Quorum von 90 Prozent sei somit übertroffen worden. Das finale Ergebnis des Angebots soll kommenden Dienstag bekanntgegeben werden.

Michael Schineis, der ehemalige Chef des Altenmarkter Skiherstellers Atomic und jetzige Präsident für Wintersport im Amer-Konzern, spricht von einem "großen Meilenstein" in der Firmengeschichte. Indes werde die Übernahme für Atomic im Bundesland Salzburg kurz- bis mittelfristig keine Auswirkungen haben. "Es gibt zwar neue Eigentümer, aber Amer bleibt ein eigenständiges Unternehmen. Es wird keine Verschmelzung im operativen Bereich geben, aber natürlichen wollen wir Synergien ausnutzen", so Schineis. "Der Unterschied ist, dass wir statt rund 1000 Aktionäre nur noch vier Haupteigentümer haben, für die wir statt Dividende nun Rendite erwirtschaften."

50 neue Jobs durch neues Logistikzentrum in Altenmarkt

Dem neuen Eigentümer sei der Strategieplan für die Jahre 2019 bis 2021 bekannt. Dieser sehe für Atomic in Altenmarkt für heuer und das Folgejahr Investitionen in Höhe von rund 20 Millionen Euro vor. Die Hälfte davon werde für die Erweiterung des Logistikzentrums aufgewendet. Weitere zehn Millionen Euro sollen in die Digitalisierung, in neue Produkte und in neue Anlagen fließen.

Angst vor einem Stellenabbau in Salzburg sei zurzeit unbegründet, sagt Schieneis weiter. "Ganz im Gegenteil: Wir bauen den Standort kontinuierlich aus, und das wissen die neuen Eigentümer." Alleine das neue Logistikcenter werde rund 50 neue Arbeitsplätze schaffen. "Wir hatten zum Glück zwei gute Winter und auch für heuer sind die Prognosen günstig."

Chinesen auch in Österreich
immer öfter auf Einkaufstour

Die indirekte Übernahme von Atomic ist ein weiteres Beispiel für das zunehmende Engagement chinesischer Firmen in Österreich - wie allgemein in Europa. Im März 2018 übernahm etwa der chinesische Investor Fosun den Vorarlberger Wäschekonzern Wolford. Ein weiteres prominentes Beispiel ist der oberösterreichische Flugzeugkomponentenhersteller FACC, der seit zehn Jahren mehrheitlich der staatlichen Aviation Industry Corporation of China gehört.

2011 ging der steirische Motorenbauer ATB aus der einstigen A-Tec-Gruppe ebenfalls an Chinesen, die Industriefirma Wolong machte hier rund 100 Millionen Dollar locker. Ein Jahr später verschwand für gut eine Milliarde Euro der Mobilfunker Orange vom österreichischen Markt, als der hinter dem Konkurrenten "Drei" stehende Hongkonger Mischkonzern Hutchison zugriff. Auch die 2017 erfolgte 95 Millionen Euro schwere Übernahme von Tele2 Österreich ging auf das Konto von Hutchison/"Drei".

Neben diesen eher großen Deals gab es auch etliche kleinere Akquisitionen. So kauften sich chinesische Investoren etwa bei dem Autozulieferer Austria Druckguss, dem Flugzeugbauer Diamond Aircraft, der Leobersdorfer Maschinenfabrik und der Fondsgesellschaft C-Quadrat ein.

Zwingend erfolgreich waren jedoch nicht alle chinesischen Investments. So kämpft Wolford aktuell gegen rückläufige Aufträge. Der Autobahnraststättenbetreiber Rosenberger wiederum ist unter den beiden chinesischen Familien Liu und Ni in die Pleite gerutscht und ging letztlich an Burger King. Auch das Salzburger Skigebiet Gaißau-Hintersee ist zwar nach der Insolvenz 2017 nun zu 75 Prozent in chinesischer Hand, die erhofften Investitionen hat es in der zu Ende gehenden Wintersaison aber nicht bekommen.